Religiöse Vorurteile gegen Heilige und Maria

Religiöse Vorurteile gegen Heilige und Maria: Königin Maria mit den Heiligen im Himmel

F. X. Weninger SJ: Katholizismus, Protestantismus und Unglaube

Beiträge von Franz Xaver Weninger: österreichischer Jesuit, geistlicher Schriftsteller und Volksmissionar

Drittes Hauptstück

Erster Abschnitt – Religiöse Vorurteile

Religiöse Vorurteile gegen Heilige und Maria

Man sagt euch: Wir Katholiken beten die Heiligen und ihre Bilder an. Ich sage euch, das ist eine Lüge und Verleumdung. Fragt jedes katholische Kind: Wen darf man anbeten? Es wird euch antworten: Gott allein.

Hört, was die katholische Kirche hinsichtlich der Heiligen lehrt und von ihren Kindern verlangt.

Wir ehren erstlich dieselben ihrer ausgezeichneten Tugenden wegen, so wie wir ja auch fromme, tugendhafte Menschen auf Erden ehren. Wir ehren die Heiligen dieser ihren Tugenden wegen um so mehr, weil sie in derselben bis an das Ende verharrt und in das Reich der Herrlichkeit Christi als sieggekrönte Kämpfer bereits eingegangen sind. Ganz in dem Sinne ehren wir sie, wie einst schon der hl. Augustin (Lib. XX contra Faust) die Lehre der katholischen Kirche ausdrückte, wenn er sagte:

„Wir ehren die Märtyrer mit jenem Kultus der Liebe und Gemeinschaft, mit dem wir auch die heiligen Diener Gottes auf Erden ehren, deren Herz wir zu gleichen Leiden für die Wahrheit des Evangeliums bereit sehen. Doch jene ehren wir um so andächtiger, weil sicherer, nach bereits vollendetem Kampf. Allein mit jenem Kultus, den wir Anbetung nennen, ehren wir niemanden, noch lehren wir, jemanden so zu ehren, als Gott allein.“

Protestanten! Was habt ihr daran zu tadeln?

Wir rufen diese Heiligen auch um ihre Fürbitte bei Gott an, so wie wir auch das Gebet der Lebenden oft für uns in Anspruch zu nehmen pflegen. Verlangte doch der Apostel selbst die Hilfe des Gebetes der Gläubigen. Wir tun dies mit um so größerem Vertrauen, weil sie bereits eingegangen sind in die Freude des Herrn, und Gott näher sind als wir. Ganz in dem Sinne, wie einst der hl. Hieronymus in seinem Buch gegen Vigilantius die Lehre der katholischen Kirche ausgedrückt, wenn er sagt:

„Wenn die Apostel und Märtyrer, annoch im sterblichen Leib, für andere beten konnten, wo sie doch noch für sich selbst zu sorgen hatten, um wie viel mehr können sie dies nach errungenen Kronen, Siegen und Triumphen“ (1). Nun, nachdem sie angefangen mit Christo zu sein, sollen sie weniger vermögen?“ Denkt ihr nicht auch so?

(1) Vergl. Segur, Kurze und vertrauliche Antworten, S. 90

Man sagt euch: Die Anrufung der Heiligen tue den Verdiensten Christi und seiner Fürbitte bei dem Vater Abbruch.

Ich antworte: Gerade das Gegenteil findet statt, denn wir ehren die Heiligen nur um Christi willen, durch den sie heilig geworden und dem sie so treu gefolgt, und wir rufen sie nur an um Christi willen, weil dessen Verdienst allein macht, dass ihre Fürbitte etwas gilt. Ganz in dem Sinne, wie der hl. Hieronymus einst an Riparius schrieb: „Wir ehren die Diener, damit die Ehre des Dieners auf den Herrn übergehe.“

Dass aber Christus dieses Band wechselseitiger Liebe in seiner Kirche so geknüpft, dass wir uns auch nach dem Tode noch wechselseitig beistehen können, das trägt gar sehr zur Heiligung der Glieder der Kirche bei, da bei dieser Verehrung und Anrufung der Heiligen die Gläubigen so nachdrücklich an deren Beispiel erinnert werden, um demselben nachzufolgen.

Betrachtet das Familienleben auf Erden. Ist es nicht weit schöner, liebenswürdiger und freundlicher, wenn die Kinder wechselseitig für einander die Eltern um verschiedene Gaben bitten, und wenn diese dabei die Tugend und Frömmigkeit der besseren Kinder würdigen, als wenn keines sich um das andere kümmert, sondern ganz kalt zum anderen sagt: Gehe selbst hin und bitte. Es liegt ein ganz eigener Zug von Zärtlichkeit, Liebe und Wärme des Gefühls darin, wenn Kinder gemeinschaftlich für einander bitten. Eltern, das fühlt ihr wohl besser, als ich es sagen kann. –

Macht die Anwendung auf die Fürbitte der Heiligen. Das und nicht mehr behauptet die Lehre der katholischen Kirche. Wir sind eine Familie Gottes, deren Haupt Christus ist. Er ist der erstgeborene Bruder, durch den wir allein und gemeinschaftlich Zutritt zum Vater haben. Ich sage euch . Allein. Denn jedem ist es jederzeit gestattet, sich auch allein und geradezu an Christus und durch Ihn betend zum Vater zu wenden. Die Kirche lehrt nur, dass die Anrufung der Heiligen erlaubt, löblich und nützlich sei, wenn sie gehörig geschieht.

Der Einwurf, dass die Heiligen nichts von uns wissen, weil sie nicht allwissend seien, scheint mir sehr töricht und unchristlich. Wie sollte Gott, der sie im Himmel so unaussprechlich selig macht, ihnen nicht jene Erkenntnis verleihen, die notwendig ist, um die heilige Liebe gegen ihre noch auf Erden pilgernden Brüder üben zu können?

Wir ehren auch die Bildnisse der Heiligen. Man sagt euch, wir beten sie an. Ich sage euch, das ist wieder nur schamlose Lüge und lästerliche Verleumdung.

Wir ehren die Bildnisse der Heiligen nur in dem Sinne, als ihr die Bildnisse eurer Lieben und Teuren selbst in Ehren haltet, weil sie euch an die Person derselben erinnern. Gerade so ehren wir die Bildnisse der Heiligen; ganz in dem Sinne, als die katholische Kirche im zweiten Konzil von Nicäa diese Lehre ausgedrückt, wenn sie den Grund dieser Verehrung angibt, nämlich: „Weil die Ehre, die man dem Bild erweist, auf denjenigen übergeht, den es vorstellt.“ So wenig wir also die Heiligen selbst anbeten, ebenso wenig beten wir ihre Bildnisse an.

Man sagt euch, diese Bilderverehrung sei gegen das erste Gebot Gottes, wo es heißt: „Du sollst dir kein geschnitztes Bild machen u.s.w.“

Freunde! Wie wagt ihr doch die Schriftstelle gegen die Art von Verehrung anzuführen, mit welcher wir Katholiken die Bilder ehren? Ist dies nicht eben ein offenbarer Beweis von Unaufrichtigkeit, von Entstellung und Mangel aller Liebe zur Wahrheit?

Es heißt ja an der genannten Stelle: „Du sollst dir kein geschnitztes Bild machen von den verschiedenen Geschöpfen am Firmament oder auf Erden, um es anzubeten.“ Das ist es. Waren denn nicht selbst auf Gottes Anordnung die Bildnisse der Cherubim im Tempel, ja über der Bundeslade selbst? Soll Gott gegen sein eigenes Gebot so etwas zu tun angeordnet haben?

Wenn diese Stelle der heiligen Schrift etwas gegen die Heiligenbilder beweisen sollte, dann würde sie auch beweisen, dass die gesamte Maler- und Bildhauerkunst Abgötterei sei. –

Wahrlich, es gibt nichts, was auffallender die Böswilligkeit gegen die katholische Kirche in das grellste Licht stellt, als diese Anschuldigung der Heiligen- und Bilderanbetung. Als vor vierzehnhundert Jahren Vigilantius, der Ketzer, ähnliche Anschuldigungen erhob, da nannte ihn Hieronymus vor Ärger und Entrüstung über eine solche Verleumdung einen Dummkopf und Narren, und ich weiß nicht was. Wie würde Hieronymus wohl die nennen, die noch heutzutage, trotz aller Folianten von Gegenerklärungen, die Lehre der katholischen Kirche dennoch so gewissenlos zu entstellen wagen? Und das geschieht täglich und geschieht von so vielen.

Geht in eure Schulen. Wie viele Lehrer werden es heute noch der Schuljugend sagen: Die Katholiken sind Götzendiener und beten Heilige und Bilder an. Geht den nächsten Sonntag in eure Meetinghäuser, in wie vielen derselben wird der Pastor dieselbe Verleumdung vor der ganzen Gemeinde ausstoßen.

Ich frage euer ehrliches und wahrheitsliebendes Herz, Amerikaner, ist das recht? Ist das brüderlich? Ist das ehrenhaft, wenn man so bösartige Vorurteile im vollen Bewusstsein ihrer Falschheit eurer Jugend einimpft und dieselben vor dem Angesicht Gottes selbst in euren gottesdienstlichen Versammlungen der ununterrichteten Menge vorpredigt?

Wann haben wir Katholiken je so etwas gegen euch getan? Wir greifen eure falschen Lehrsätze an, aber so wie ihr sie behauptet, oder wie eure Vorfahren sie gelehrt. Nie bürden wir euch Lehrsätze auf, die ihr nie gelehrt und nicht auch heute noch bekennt. Meint ihr, dass wir Katholiken euch in diesem und jenem Unrecht tun oder Irrtumbehaupten, dann beweist es, aber bürdet uns nicht Dinge auf, die wir nie gelehrt und auch heute nicht lehren, sondern mit euch verabscheuen und verdammen.

Vorurteile gegen Maria

Maria Königin des Himmels

Ihr macht es uns ganz besonders zum Vorwurf, dass wir Maria, die Mutter des Herrn, mit solcher Auszeichnung ehren. Man sagt euch: Wir beten sie an. Ich sage euch, das ist ebenso gut eine Lästerung, als die soeben zurückgewiesene Heiligen-Anbetung.

Wir denken und glauben heute noch, wie einst vor dreizehnhundert Jahren Epiphanius, nämlich: „Es sei von uns Maria geehrt, aber der Vater, der Sohn und der heilige Geist allein werde angebetet.“ (Haeres. 79) Man wird euch sagen: Wir hegen größeres Vertrauen auf Maria, als auf Christus. Ich sage euch: das ist eine Lüge und Verleumdung. Wir Katholiken lehren und behaupten: Was immer Maria vermag, das vermag sie, wie jeder andere Heilige, nur durch Jesum Christum, unseren Herrn, ihren und unseren Erlöser.

Man sagt euch, wir Katholiken, weil wir die unbefleckte Empfängnis Mariä bekennen, meinten, Maria sei, wie Jesus, ohne Zutun eines Mannes von Gott dem heiligen Geist empfangen worden. Das ist lächerlich im höchsten Grade. Jedes katholische Kind weiß, dass wir durch die unbefleckte Empfängnis Mariä nicht mehr und nicht weniger bekennen, als dass Maria ausgenommen gewesen sei vom Fluch der Erbsünde und von der moralischen Unordnung, in welche der Fall Adams diee Menschennatur brachte.

Wir behaupten dabei dennoch ihre Erlösung durch Christus, weil sie nur Christi und seiner Verdienste wegen, von dieser Makel frei geblieben. Wir behaupten durch diese Lehre, dass Maria nie unter der Gewalt des Bösen gestanden, und behaupten dies um der Ehre Christi willen. Es ziemte sich nicht, dass der Erlöser als himmlischer Adam seine Menschennatur aus einem einst dem Fluch der Sünde unterworfenen Fleisch angenommen habe. Was ist der gläubigen Vernunft entsprechender als dies?

Der Protestantismus gefällt sich darin, Maria, die Mutter Jesu, herabzuwürdigen. Welch ein merkwürdiger Widerspruch: Man betet den Sohn an und achtet die Mutter gering! Ich frage: Haben wir nicht das Recht, hier die Worte Christi anzuwenden, wenn er sagt: „Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt auch nicht den Vater.“ So sagen wir denn auch in ähnlicher Weise hier: „Wer die Mutter nicht ehrt, der ehrt auch nicht den Sohn.“

Vergesst nicht, Amerikaner, das Wort, das Simeon im Tempel zu Maria sprach: „Ein Schwert wird deine eigene Seele durchdringen, damit die Gedanken vieler Herzen offenbar werden.“ (Luk. 2, 35) Wahrlich diese Scheu des Protestantismus vor Maria hat nichts Gutes zu bedeuten. Diese Neigung, Maria zu verkleinern und allen anderen Frauen gleichzustellen, ja sie gering zu achten, ist ein Beweis einer unchristlichen Gesinnung derjenigen, die so gestimmt sind. (Vergl. Segur, Vertraul. Unterhalt. S. 109)

Das fühlen selbst ehrliche Herzen unter den besser gesinnten Protestanten.

Ich traf einen Offizier eines französischen Kavallerie-Regimentes in Minnesota, an der Grenze der Sioux-Indianer, der gerade zu Paris gegen die Aufständischen focht, als ich durch Paris nach Amerika reiste. Er war Protestant von Geburt, hatte aber eine katholische Frau, und ließ seine Kinder katholisch erziehen. Er besuchte mich, und im Gespräch mit ihm über Religion sagte er plötzlich: Was mir bei den Katholiken zumeist gefällt, ist dies, dass sie Maria mit solcher Hochschätzung und Zärtlichkeit ehren. Ich bin ein Protestant, sagte er, so bin ich geboren, aber ich höre es gerne, wenn meine Frau mit meinen Kindern betet: Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns arme Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes. –

„Hören Sie, fuhr er fort, was mir in Paris geschah. Es war die Arbeiter-Revolution im Jahr 1848, da ritt General Bigeau vor mein Haus und rief: Heraus, Freund, an die Barrikaden. Ich machte kurz mein Testament, umarmte meine Frau, küsste meine Kinder und ritt den Rebellen entgegen. Das war ein furchtbarer Moment. Ich habe so manche Schlacht in Algier durchgekämpft, aber das war nichts gegen jenen Straßenkampf. Als so die Kugeln haufenweise um mich herumpfiffen, da gedachte ich des Gebetes meiner guten Kinder. Zu Pferde mitten im Getümmel des Kampfes rief ich im Herzen zum Himmel: Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für mich. Es ist mir nichts geschehen.“

Luther tat und dachte anders. Er schämte sich gleichsam des Grußes, mit dem der Engel im Auftrag des Allerhöchsten Maria gegrüßt und den Elisabeth gleichfalls, erfüllt vom heiligen Geist an sie richtete, und entriss den Trost dieses Grußes der Kinder Gottes an die Mutter Gottes den Seinigen. Welchen Trost und welchen Nutzen hatte er wohl davon? Im Gegenteil, Protestanten, wie vielen Trost hat er dadurch euren Herzen geraubt, da er euch, so viel er konnte, von jener erhabenen, liebenswürdigsten Mutter trennte, der Jesus die Seinigen in der Person des Johannes vom Kreuz auch als Kinder übergab. Kehrt zur Mutter als Kinder zurück, sie bringt euch zum Sohn und der Sohn zum Vater.

aus: Franz Xaver Weninger, Katholizismus, Protestantismus und Unglaube. Ein Aufruf an alle zur Rückkehr zu Christentum und Kirche, 1869. S. 130 – S. 137

***

Weitere Beiträge von F. X. Weninger auf dieser Website siehe:

Siehe auch weitere Beiträge von F. X. Weninger auf katholischglauben.info:

Siehe auch den Beitrag auf katholischglauben.info:

Bildquelle

  • Weninger_Franz_Xaver: wikimedia | Public Domain Mark 1.0
  • maria-himmelskoenigin-438×0: © https://katholischglauben.online
  • maria-regina: wikioo.org | Public Domain Mark 1.0
Der Zölibat der katholischen Priester
Bibellesen aus katholischer Sicht
Cookie Consent mit Real Cookie Banner