Der Heilige Geist erhält die Kirche

Kirchliches Lehramt

Ohne den Heiligen Geist wäre sie nicht die Kirche Christi

Sehen wir nun, in welch innigem und wesentlichem Verhältnis der Heilige Geist zu dieser unserer Kirche steht.

Der hl. Irenäus sagt: „Wo die Kirche ist, ist auch der Geist Gottes, und wo der Geist Gottes ist, da ist die Kirche und alle Gnade“; er nennt deshalb den heiligen Geist die Mitgift, die Gabe, den Lebenshauch der Kirche, die Gemeinschaft mit Christus. (S. Iren., Adv. Haeres. 1.3, c. 24)Dem hl. Augustinus aber ist die Kirche das Haus und die Stadt des Heiligen Geistes. (Enchir. De fide, spe et caritate c. 56) Die heiligen Väter führen auch sehr schöne Gründe für diese ihre Behauptung an. Ein Grund, den sie oft hierfür geltend machen, ist die Wahrheit, daß die Kirche der Leib Christi ist (S. Aug., Enarr. In Ps. 18, n. 10; Serm. 341, c. 10), und daß wie unserem Leib die Seele notwendig sei zum Leben, so dem Leib Christi, der Kirche, der Heilige Geist. (ders., Serm. 268, c. 2) Wie Mann und Weib eins sind in einem Fleisch, so Christus und die Kirche in einem Geist, und dieser eine Geist ist der Heilige Geist. Wenn die Kirche die Braut und der mystische Leib Christi ist, dann muss sie auch den heiligen Geist haben, und ohne den heiligen Geist wäre sie nicht die Kirche Christi.

… Vom Heiligen Geist kommt alles. Vor allem ihre Eigenschaften. Durch den Heiligen Geist ist sie die einzig wahre Kirche. Ihr allein ist der Heilige Geist gegeben, und eine Seele belebt nur einen Leib und nur jene Glieder, die mit dem Leib verbunden sind, nicht andere.2Ein Leib und ein Geist“, sagt der Apostel (Eph. 4, 4). Wie der Vater und der Sohn eins sind im Heiligen Geist, so ist auch die Kirche eins im selben Heiligen geist. – Wodurch wird ferner die Kirche sichtbar als durch das Walten des Heiligen Geistes in dem Lehr-, Hirten und Priesteramt der Kirche? Und dieses Walten ist so göttlich, und seine Wirkungen sind so übernatürlich, daß sie ein sichtbarer Beweis seiner Gegenwart in der Kirche sind.-

Was erhält endlich die Kirche, so daß sie stets innerlich und äußerlich dieselbe bleibe? Das ist der Heilige Geist. So war die Menschheit Christi durch die persönliche Vereinigung mit der zweiten Person der Vorrechte der Gottheit teilhaftig wurde, so ist die Kirche unwandelbar in ihrer Heiligkeit und Wahrheit, weil sie unauflöslich verbunden ist mit dem heiligen Geist, der die unwandelbare Wahrheit, Heiligkeit und Liebe ist.
… Sehr schön und sehr treffend nennen die angeführten heiligen Väter an den oben angeführten Stellen den heiligen Geist die Seele, den Lebenshauch, welcher die Kirche belebt, zusammen hält, erleuchtet und leitet. In der Tat ist es so.

(… Wenn auch in weniger glücklichen Tagen dieses Leben weniger großartig sich regte, wenn die Lampe des Heiligtums düster brannte und die Wächter im Chor schliefen, dann erweckte der Heilige Geist im Innern der Kirche stets große Männer und erwählte Werkzeuge, welche die Schläfer aufrüttelten und das Heiligtum von der eingedrungenen Welt säuberten, oder er befahl Stürmen von außen, welche über das beschädigte Gebäude hintosten, daß die Mauern wankten und die säunige Bauleute zum Stützen und Wiederherstellen sich aufrafften. Wie glorreich verteidigt er stets seine Kirche gegen Dränger und Widersacher, die in verbrecherischem Beginnen ihre Mauerbrecher ansetzen und die Zinnen stürmen und eindringen wollen!)

Solange die Kirche Christi mystischer Leib Christi ist, solange die Vereinigung Christi mit dem heiligen Geist dauert, wird auch die Verbindung des Heiligen Geistes mit der Kirche nicht aufhören. Die einzelnen Glieder ihn verlieren, von der Kirche als solcher wird er nie weichen. Diese Vereinigung des Heiligen Geistes mit der Kirche ist eine göttliche, vollzogene Tatsache. Wie die göttliche und menschliche Natur in Christus durch die Vereinigung in der zweiten Person eineLebenseinheit bilden, die nie zerstört wird, so ist auch Christus mit seinem mystischen Leib für immer vereint im Heiligen Geist… So macht dieses Innewohnen des Heiligen Geistes die Kirche zu einem wahren, lebendigen und übernatürlichen Geheimnis. In diesem Sinne, sagt der hl. Thomas, könne man auch sagen: „Ich glaube an die katholische Kirche“, indem man den Glaubensakt auf den Heiligen Geist bezieht, der die Kirche heiligt. (S. th. 2, 2, q. 1, a. 9 ad 5) Diese unerschaffene Heiligkeit der Kirche ist niemand anders als der Heilige Geist, wie auch der Apostel sagt, die Kirche sei ein Bau im Heiligen Geist. (Eph. 2, 22)

Das ist das Geheimnis der Kirche, vollzogen und erfüllt durch das Herabsteigen des Heiligen Geistes, durch seine Gegenwart und sein Wirken… Die ganze Kirche erfüllt, baut, belebt, betätigt, lenkt und leitet er. Im wahrsten und vollsten Sinn ist sie sein Werk und sein Bau, und wo immer man das Bauwerk anritzt, da sprüht das Feuer, der Glanz, das Leben, die Majestät des Heiligen Geistes hervor.

aus: Moritz Meschler SJ, Die Gaben des heiligen Pfingstfestes, 1905, S. 82 – S. 90

siehe auch den Beitrag: Die Kirche Mystischer Leib Christi