Die Kirche ist unzerstörbar die Völker nicht


Lehrschreiben der Päpste

Die Kirche ist unzerstörbar die Völker nicht

Aus: Leo XIII. Sapientiae christianae – Die Kirche und die Pflichten der Bürger

Die Kirche wird zu keiner Zeit und in keiner Weise von Gott verlassen; sie hat sich also nicht vor den Freveltaten der Menschen zu fürchten; den Völkern jedoch, die das Christentum verlassen, ist nicht die gleiche Sicherheit gegeben; „denn die Sünde macht die Völker elend“ (Sprichw. 14, 34). Wenn alle früheren Jahrhunderte die macht und Wahrheit dieses Wortes erfahren haben, warum soll das unsrige nicht dieselbe Erfahrung machen? Vieles deutet ja schon darauf hin, daß die Strafe vor der Türe steht, und die Lage der Staaten bestätigt es. Denn wir sehen, daß viele durch innere Krankheiten zerrüttet sind und keiner ganz davon frei ist. Wenn die gottlosen Parteien auf dem betretenen Wege frech voran schreiten, wenn es ihnen gelingen sollte, daß sie in dem Maße, wie sie in ihrer Arglist und in ihren noch schlimmeren Plänen wachsen, auch noch an Geld und Macht zunehmen, so steht wahrlich zu befürchten, daß sie ganze Staaten bis auf ihre natürlichen Fundamente zertrümmern. –
Mit Menschenmacht allein kann eine solche Gefahr nicht beschworen werden, namentlich da die große vom christlichen Glauben abgefallene Menge darin die gerechte Strafe ihres Stolzes büßen muß, daß sie von der Leidenschaft geblendet, vergebens nach der Wahrheit sucht, den Irrtum für wahr annimmt und sich noch weise dünkt, wo sie „das Böse gut und das Gute böse“ nennt, „die Finsternis für Licht für Licht und das Licht für Finsternis hält“ (Is. 5, 20). Gott muß also helfen und eingedenk seiner Güte sich der bürgerlichen Gesellschaft annehmen. Deshalb muß man, wozu Wi an anderer Stelle schon eindringlich ermahnt haben, mit besonderem Eifer und großer Beharrlichkeit demütigst beten, Gott möge uns gnädig sein, damit jene Tugenden wieder erblühen, die das christliche Leben ausmachen.

aus: Carl Ulitzka (Hrsg), Lumen de caelo “Leo XIII. der Lehrer der Welt”, 1934, S. 201