F. X. Weninger SJ: Katholizismus, Protestantismus und Unglaube
Viertes Hauptstück
Die Widersprüche des Unglaubens – Fünfte Brücke: Jesus Christus
Wir stehen an der fünften Brücke. Zur rechten Seite der Brücke stehen Moses, die Propheten und die Juden bis auf diese Zeit mit den Büchern des alten Testamentes in ihren Händen, an ihrer Spitze Christus. Zur linken stehen die alten Ägypter, Numa Pompilius, Konfuzius, Zoroaster und die anderen Religionsstifter der Welt, die aber niemals sich als Gesandte Gottes legitimierten.
Wem sollte wohl die Wahl zwischen diesen und Christus schwer werden? Es dreht sich da alles um die Frage über die Beglaubigung der Sendung Christi als Gesandten Gottes an die Menschenkinder, um ihnen den Willen des Vaters zu offenbaren. Ist Christus – Christus – dann ist die von ihm geoffenbarte Lehre eine göttliche und mithin die Eine wahre Religion, die Religion des Heils, die jeder bekennen muss, damit er selig werde.
Kein Wunder, dass den Ungläubigen neuester Zeit, wie einem Strauß, Feuerbach, Renan und Konsorten alles daran lag, den historischen Christus zu leugnen und in eine Mythe zu verwandeln; doch das sind sie nie und nimmer zu tun imstande, dafür hat Gott gesorgt.
Die göttliche Vorsehung ordnete es nämlich so, dass das Volk, aus dem Christus als Mensch stammte, nicht von der Erde verschwand, wie die alten Griechen, Römer, Ägypter und die übrigen Völker der Vorzeit dahin geschwunden. Sie sollten als die Feinde des Christentums, den ungläubigen Zweiflern und ihren Lästerungen die historische Gewissheit der Person Christi und der Gründung des Christentums bis an das Ende der Zeiten und, durch ihre Zerstreuung auf Erden, auch an jedem Ort unwidersprechbar vor Augen halten.
Ja, wenn es keine Juden und keine so unumstößliche historische Gewissheit des Alten Testamentes gäbe, das wäre ein Triumph für die ungläubige Kritik, um das historische Fundament der Offenbarung zu untergraben. Doch da stehen die Feinde des Christentums, die Bücher in den Händen, von dem sie jeden Buchstaben gezählt, und von denen sie anzugeben wissen, wie oft jeder in jedem Buch vorkomme, und welcher der erste, der mittelste und letzte dieser Buchstaben in jedem Buch sei. Aus diesen prophetischen Büchern lesen wir, wie Bossuet mit Recht bemerkt, gleichsam die Geschichte des Messias selbst.
Ich erinnere besonders an die Prophezeiung über die Zeit seiner Ankunft, wie dieselbe bei Daniel zu lesen ist. So klar weist diese Prophezeiung auf die Zeit der Ankunft Christi und auf seinen Erlösungstod und die darauf erfolgte Zerstörung von Jerusalem durch die Römer hin, dass die Rabbinern einen Fluch über jeden Juden aussprachen, der es wagen sollte, diese Prophezeiung auszulegen.
So stehen die Kinder Israels im Neuen Bund als lebendige Denksäulen verflossener Jahrtausende und als Zeugen des alten Testaments da, zum Beweis des historischen und durch das Alte Testament vorher verkündigten Christus.
Ich erinnere mich, was mir ein Ungläubiger in Europa über den Eindruck sagte, den es auf ihn gemacht, als er aus Neugierde in eine Synagoge eintrat und auf die daselbst aufgestellten Tafeln des Gesetzes schaute. Er sagte mir, es sei ihm ganz schauerlich geworden bei dem Gedanken: Und wenn das wirklich alles so wäre, wie es die katholische Kirche behauptet! – Ja gewiss ist dem so. Dass dir aber schauerlich zu Mute wurde, daran bist du selbst schuld.
Glaube und prüfe – prüfe und glaube, und es wird dir ganz tröstlich bei dieser Gewissheit des heiligen Glaubens an Christus und seine Verheißungen zu Mute werden. Zu diesem aus den Propheten geschöpften Beweise für die Göttlichkeit der Sendung Christi, kommen nun noch die sonnenhell strahlenden Beweise seines eigenen Bekenntnisses, seines Lebens, seiner Lehre, seiner Wunder, besonders seiner Auferstehung von den Toten.
Ich sage erstens:
Jesus beweist seine göttliche Sendung durch sein eigenes Bekenntnis.
„Das ist das ewige Leben“, beteuert Christus, „dass sie Dich erkennen und den Du gesandt hast, Jesum Christus.“ (Joh. 17, 2) „Wir wissen, dass, wenn der Messias kommt“, sagte die Samariterin, „er uns alle Wahrheit lehren wird.“ Jesus antwortete: „Ich, der ich mit dir rede, bin es.“ (Joh. 4, 25) Jesus erklärt sich also für den Messias, für den zu unserem Heil Mensch gewordenen Sohn Gottes.
Ebenso vor seinen Aposteln. Als Christus sie fragte: „Was glaubt ihr von dem Menschensohn?“ antwortete Petrus im Namen aller: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Christus verneint es nicht, sondern spricht: „Selig bist du, Sohn des Jonas, denn Fleisch und Blut hat es dir nicht geoffenbart, sondern mein Vater, der im Himmel ist; und ich sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen.“ (Matth. 16)
So erklärte sich Jesus nicht bloß vor den Aposteln, sondern auch vor anderen. „Glaubst du an den Sohn Gottes?“ fragte Jesus den geheilten Blindgeborenen. „Wer ist es? Herr!“ antwortete dieser. „Der, der mit dir redet, ist es“, erwiderte Jesus. Und der Blindgeborene fiel vor Jesus nieder, betete ihn an und sprach: „Herr, ich glaube.“ Und Jesus ließ es geschehen. (Joh. 9)
Ebenso entschieden erklärt sich Christus als den gesandten und verheißenen Messias und als den Sohn Gottes auch vor seinen erbittertsten Feinden. „Ich und der Vater sind eins. Glaubt, dass der Vater in mir ist und ich im Vater.“ „Wahrlich sage ich euch: Ehe Abraham war, bin ich.“ (Joh. 10, 14 u. 16)
Als Jesus die Worte sprach. „Ich und der Vater sind eins“, da hoben die Juden Steine auf, um ihn zu steinigen. Auf die Frage Jesu: “Um welches guten Werkes willen wollt ihr mich steinigen?“ antworteten die Juden: Um eines guten Werkes willen steinigen wir dich nicht, sondern um der Gotteslästerung willen, weil du, der du ein bloßer Mensch bist, dich selbst zum Gott machst. Da erwiderte Jesus: Tue ich die Werke meines Vaters nicht, sö möget ihr mir nicht glauben. Tue ich sie aber, so glaubt den Werken, wenn ihr mir nicht glauben wollt, damit ihr erkennt und glaubt, dass der Vater in mir ist und ich in dem Vater. (Joh. 10)
Diese seine göttliche Sendung bekräftigte Jesus ferner durch sein Leben.
„Wer aus euch kann mich einer Sünde zeihen?“ (Joh. 10) so durfte Jesus seine erbittertsten Feinde fragen, die mit Ihm gelebt; und sie verstummten. Ja selbst unter seinen nachfolgenden Feinden, nämlich unter den Feinden seiner Kirche, gab es kaum einen Lästerer, der es gewagt hätte, den Charakter Jesu zu beschmutzen, es müssten denn nur Lästerer sein, die gegen Gott selbst ihre Zunge in Hohn und Verachtung ausgestreckt.
Selbst ein Rousseau und Voltaire konnten nicht umhin, die Tugendgröße Christi anzustaunen und zu bekennen, dass, wenn der Tod eines Sokrates das Gepräge des Todes eines Weisen an sich trage, so trage der Tod Christi an sich das Gepräge eines sterbenden Gottes. Jesus gilt auch bei den Ungläubigen unserer Zeit als ein Weiser und als ein Tugendheld; doch darin liegt ein großer Widerspruch, den wir durchaus nicht gelten lassen.
Nein, Freunde! Ihr habt Jesum gerade als den anzuerkennen, für den er sich ausgegeben hat, sonst habt ihr auch nicht das Recht, ihn als einen weisen und als einen Tugendhelden anzusehen. Denn wäre Christus nicht der Sohn Gottes und der Gesandte des Vaters zum Heil des gefallenen Menschen Geschlechtes gewesen, dann hätte Lessing ganz recht, wenn er sagt: Mohammed begnügte sich damit, dass er sich bloß als Propheten Gottes, als einen bloßen Menschen ausgab; Christus hingegen beteuerte, er sei der Sohn Gottes, Gott selbst, und ließ sich anbeten.
Wo aber ein purer Mensch sich als Gott gebärdet und andere zur Abgötterei verleitet, da kann von Weisheit und Tugend keine Rede sein. Wer meint, er sei Gott – der ist ein Narr – und wer andere listig betören möchte, so etwas zu glauben, der ist ein Verbrecher – kein Weiser – kein Tugendvorbild. Das wäre aber bei Christus der Fall, wenn er der nicht gewesen wäre, der er zu sein beteuerte. [1]
Diese seine göttliche Sendung bekräftigte Jesus ferner durch seine heilige und bewunderungswerte Lehre.
„Nie hat ein Mensch so geredet“ (Joh. 7), so riefen die aus, die ihn hörten, und wir staunen mit ihnen. Wo hat je ein Mensch so geredet, so gelehrt? So dürfen wir auch heute noch nach achtzehnhundert Jahren fragen. Ist die Sprache des Evangeliums nicht die eines von Gott gesandten Lehrers? Nennt uns das Buch, das auf eine solche Weise unterrichtet, dass der Inhalt seiner Lehre, so oft man sie wieder liest und wieder hört, immer neu und immer bewunderungswürdig bleibt.
Ja wohl, die Lehre des Evangeliums trägt an sich das Siegel ihres Ursprungs, nämlich der ewigen Wahrheit, die niemals altert. Würden wir andere Gleichnisse, andere Unterweisungen so oft vernehmen, wie die des Evangeliums, wie alt und abgenützt würden sie erscheinen; das Evangelium ist, so oft wir es auch vernehmen, die immer sich von neuem, gleich lichtvoll, belebend und immer mit demselben Glanz sich erhebende und willkommene Sonne des evangelischen Tages.
Diese seine göttliche Sendung bekräftigte Jesus ferner durch eine Menge unbestreitbarer Wunder.
Er konnte den Jüngern Johannes des Täufers, die gekommen waren, um ihn zu fragen, ob er der verheißene Messias sei, die Antwort geben: „Sagt dem Johannes, die Blinden sehen, die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden gereinigt, die Tauben hören, die Toten stehen auf.“ (Matth. 11)
Auf diese seine Wunder beruft sich Jesus vor seinen Feinden, vor deren Augen er sie hat, und welche dieselben nicht leugnen konnten. „Dieser Mann tut viele Wunder, sagten sie, was sollen wir anfangen?“ (Joh. 11) Sie sagten nicht: Lazarus sei nur scheintot gewesen. Sie wussten, dass er schon vier Tage im Grab gelegen und bereits von der Verwesung angegriffen war, als Jesus ihn wieder zum Leben erweckte. Der jüdische Geschichtschreiber, Josephus Flavius nannte ihn einen Mann, mächtig an Wundertaten. [2]
Ebenso prophezeite Christus auch das Schicksal der Stadt Jerusalem, die Verbreitung und den Fortbestand seiner Kirche bis an das Ende der Zeiten.
Für das Zeugnis seiner Gottheit und seiner Sendung an das Menschengeschlecht als Sohn Gottes und Heiland der Welt opferte Christus sein Leben und besiegelte sein Zeugnis mit seinem Blut am Kreuz.
„Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott“, sagte der Hohepriester im Angesicht des ganzen Hohen Rates zu Christus, dass du uns sagst, ob du Christus seist der Sohn des lebendigen Gottes. Jesus antwortete: „Du hast es gesagt.“ Da zerriss der Hohepriester sein Einwand und sprach: „Was brauchen wir noch andere Zeugen. Ihr habt es gehört: Er hat Gott gelästert. Er ist des Todes schuldig.“ (Matth. 26; Mark. 14)
Vor Pilatus brachten sie auch gerade diesen Punkt als die allein genügende Anklage vor: „Wir haben ein Gesetz und nach diesem muss er sterben, weil er sich selbst zum Sohn Gottes gemacht.“ (Luk. 19) Christus hatte die heiligste Pflicht, vor dem Hohen Rat und vor Pilatus sich darüber zu erklären, wenn er missverstanden worden wäre; teils um der Wahrheit Zeugnis zu geben, wozu er durch einen Schwur aufgefordert wurde; teils um die Seinigen vor dem Gräuel der Abgötterei zu bewahren. Er tat es nicht, sondern bekräftigte vielmehr diese Behauptungen und wies hin auf sich als kommenden Richter der Welt.
Selbst unter dem Kreuz noch verhöhnten ihn die Juden und sagten: „Er hat gesagt, ich bin Gottes Sohn; der helfe ihm nun.“ (Matth. 27) Als aber der Hauptmann mit denen, welche die Wache hielten, hörte, wie Jesus mit lauter Stimme zum Vater betend, seinen Geist aufgab, und sah, wie die Sonne sich verfinsterte, die Erde bebte, die Gräber sich öffneten und die Toten erstanden, da erschrak er sehr und rief aus: „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn.“ (Matth. 27)
Diese seine göttliche Sendung als Heiland und Lehrer der Welt bekräftigte endlich Jesus durch das Wunder seiner Auferstehung.
Diese seine glorreiche Auferstehung wurde erstlich den Feinden und Mördern Christi in Jerusalem von den Wachen selbst berichtet, die sie ans Grab gestellt und alsdann von den Aposteln dem ganzen Volk verkündigt und Tausende bekehrten sich sogleich, und unter diesen, wie die Apostelgeschichte bezeugt, war eine große Schar von Priestern. Nie und nimmer hätten diese jüdischen Priester sich dem gepredigten Evangelium und der neu entstehenden Kirche, nachdem soeben ihr Stifter gekreuzigt worden war, angeschlossen, wenn die Tatsache seiner Auferstehung nicht für alle, die ernstlich prüfen wollten, von denen, welche den Erstandenen gesehen, über allen Zweifel unleugbar wäre bewiesen worden.
Das gepredigte Evangelium hatte ja gar nichts für sich, was menschlicherweise weder die Apostel zur Verkündigung desselben, noch die ersten Gläubigen, besonders die Priester des Alten Testamentes zur Annahme desselben hätte bewegen können. Denn ist Christus nicht erstanden, dann wären wir, wie der hl. Paulus mit Recht bemerkt (1. Kor. 15, 14) getäuscht, der Glaube an Christus wäre eitel und hätte besonders seinen ersten Bekennern nichts als Verfolgung und Elend gebracht.
Es unterliegt keinem Zweifel, die darnach geglaubt, hatten geprüft und sich von der Gewissheit der Auferstehung Christi überzeugt. Somit steht für jeden, der aufrichtig nach Wahrheit verlangt und prüfen will, das Zeugnis für die göttliche Sendung Christi unerschütterlich fest und erstrahlt lichtvoller als die Sonne am Firmament. Wer aber an Jesus glaubt, der glaubt auch, was dessen Kirche lehrt. [3] –
aus: Franz Xaver Weninger, Katholizismus, Protestantismus und Unglaube. Ein Aufruf an alle zur Rückkehr zu Christentum und Kirche, 1869, S. 191 – S. 198
Siehe auch die Beiträge:
[1] Jesus beteuerte Seine Gottheit feierlich [2] Die Wunder Christi – Beweis seiner Gottheit [3] Christi Weissagungen bekräftigen seine Gottheit***
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- Beiträge von F. X. Weninger
- F. X. Weniger, Katholizismus, Protestantismus und Unglaube – Inhaltsangabe des Buches
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