Freimaurerei

Päpstliche Verurteilungen der Freimaurerei durch Leo XIII.

Leo XIII. bemüht sich in fast allen seinen Enzykliken, „das tödliche Gift zu bekämpfen, das heute in den Adern der menschlichen Gesellschaft zirkuliert“, (1) das nichts anderes ist als der Geist und die Lehren der Freimaurerei. In der Enzyklika, die sich direkt mit den freimaurerischen Sekten befasst, bekräftigt er die Verurteilungen seiner Vorgänger und schließt ausdrücklich nicht nur die Freimaurerei ein, sondern auch die Sekten, die aus der Freimaurerei hervorgegangen sind oder ihr nachgebildet wurden und dieselben Ziele verfolgen, wie die Carbonari, die Orange Society, die Nihilisten usw. „Es gibt“, schreibt er, „mehrere organisierte Körper, die, obwohl sie sich in Namen, Zeremoniell, Form und Ursprung unterscheiden, dennoch durch eine Zweckgemeinschaft und durch eine Ähnlichkeit ihrer Hauptmeinungen so miteinander verbunden sind, daß sie in der Tat eine Sache mit der Sekte der Freimaurer bilden, die eine Art Zentrum ist, von dem alle ausgehen und zu dem alle zurückkehren.“

Er schließt in die Verurteilung ausdrücklich alle ein, die der verwerflichen Sekte anhängen; denn alle sind mitschuldig, auch wenn sie selbst nicht aktiv an ihren Verbrechen teilnehmen: „Wenn es auch unter den Freimaurern Personen gibt, und das sind nicht wenige, die weder selbst Teilhaber an ihren verbrecherischen Handlungen sind, noch die letzten Ziele kennen, die sie anstreben, so sind doch weder diese Personen noch die angeschlossenen Gesellschaften, die vielleicht die extremen Ziele der Freimaurersekte nicht gutheißen, deshalb dem freimaurerischen Bund fremd“, denn „da der ganze Grundsatz und das Ziel der Sekte in dem Lasterhaften und Verbrecherischen liegt, so muss es unerlaubt sein, sich diesen Leuten anzuschließen oder ihnen in irgendeiner Weise zu helfen.“

(1) Quod Apostolici, 1878. Ibid., vol. il, p. 125.

Wiederum: –

„Die Religion und die Kirche, die Gott selbst gegründet hat, zerstören zu wollen und nach achtzehn Jahrhunderten die Sitten und Gebräuche der Heiden zurückbringen … ist eine dreiste Unverschämtheit. … In öffentlichen Angelegenheiten keine Rücksicht auf die Religion zu nehmen, und in der Ordnung und Verwaltung der zivilen Angelegenheiten nicht mehr Rücksicht auf Gott zu nehmen, als wenn es ihn nicht gäbe, ist eine Unverfrorenheit, die selbst den Heiden unbekannt war; denn in den Herzen und Seelen dieser letzteren war die Vorstellung einer Gottheit und die Notwendigkeit einer öffentlichen Religion so fest verankert, daß sie es für leichter gehalten hätten, eine Stadt in der Luft zu bauen, als sie ohne Religion und Gottesdienst zu organisieren.“

Weiter wirft der Papst den Freimaurern ausdrücklich revolutionäre und störende Umtriebe vor, ja sogar die Begünstigung des extremen Kommunismus und des revolutionären Sozialismus.

„Denn da die Gottesfurcht und die Ehrfurcht vor dem göttlichen Gesetz weggenommen ist, Aufruhr erlaubt und gebilligt wird, und die Volksleidenschaften zur Gesetzlosigkeit getrieben werden, wird notwendigerweise eine Veränderung oder ein Umsturz aller Dinge folgen. Ja, diese Veränderung und dieser Umsturz wird von vielen Vereinigungen von Kommunisten und Sozialisten vorsätzlich geplant; und die Sekte der Freimaurer begünstigt in hohem Maße ihre Pläne und hat mit ihnen ihre Hauptmeinungen gemeinsam. … Die Freimaurer … die durch ihre Kunstgriffe … ein großes Gewicht in der Regierung der Staaten erlangt haben, sind dennoch bereit, die Grundfesten der Reiche zu erschüttern, die Herrscher der Staaten zu bedrängen, sie anzuklagen und hinauszuwerfen, sobald sie anders zu regieren scheinen, als sie [die Freimaurer] es wünschen.“

Die folgenden Passagen derselben Enzyklika illustrieren die wundersame Genauigkeit, mit der der Papst die Tendenz und die Ergebnisse des freimaurerischen Einflusses auf das öffentliche Leben analysiert:

„Was sich in der Lehre der Naturalisten auf das häusliche Leben bezieht, ist fast alles in den folgenden Erklärungen enthalten: daß die Ehe zur Gattung der Handelsverträge gehört, die mit Recht durch den Willen derer, die sie geschlossen haben, aufgehoben werden können; und daß die zivilen Herrscher des Staates Macht über das Eheband haben; daß in der Erziehung der Jugend in Sachen Religion nichts als eine bestimmte und feste Meinung gelehrt werden darf; und daß es jedem freigestellt sein muss, wenn er volljährig wird, dem zu folgen, was er vorziehen mag. Diese Dinge sind die Freimaurer . . seit langem entschlossen, zu einem Gesetz und einer Institution zu machen. Denn in vielen Ländern, und zwar in denen, die nominell katholisch sind, ist verordnet, dass keine Ehen als rechtmäßig gelten, außer denen, die nach dem bürgerlichen Ritus geschlossen wurden; an anderen Orten erlaubt das Gesetz die Ehescheidung; und in anderen wird jede Anstrengung unternommen, sie so bald wie möglich rechtmäßig zu machen. ….“

„Mit der größten Einmütigkeit ist die Sekte der Freimaurer auch bestrebt, die Erziehung der Jugend an sich zu ziehen… Daher lassen sie in der Erziehung und Unterweisung der Kinder den Geistlichen der Kirche weder Anteil an der Belehrung noch an der Zucht; und sie haben an vielen Orten dafür gesorgt, daß die Erziehung der Jugend ausschließlich in den Händen von Laien liegt und daß nichts, was die wichtigsten und heiligsten Pflichten des Menschen vor Gott behandelt, in die sittliche Erziehung eingeführt wird.“

Die folgende Passage der Enzyklika illustriert weiter den Charakter und die Tendenz des freimaurerischen Moralkodex:

„Aber die Naturalisten und Freimaurer leugnen, daß unsere ersten Eltern gesündigt haben, und folglich, daß der freie Wille des Menschen in irgendeiner Weise geschwächt oder zum Bösen geneigt ist. . . Darum sehen wir, daß die Menschen öffentlich durch die vielen Verlockungen des Vergnügens versucht werden; daß es Zeitschriften und Pamphlete gibt, die weder Mäßigung noch Scham kennen; daß Bühnenstücke durch Freizügigkeit auffallen; daß Entwürfe für Kunstwerke schamlos in den Gesetzen eines sogenannten Realismus gesucht werden; daß die Erfindungen für ein weiches und zartes Leben am sorgfältigsten erdacht werden; und daß alle Schmeicheleien des Vergnügens eifrig gesucht werden, durch die die Tugend in den Schlaf gelullt werden kann. Schlecht auch, aber zugleich ganz konsequent, handeln diejenigen, welche die Erwartung der himmlischen Freuden abschaffen und alles Glück auf die Ebene der Sterblichkeit herabsetzen und gleichsam in die Erde versenken.“

„Von dem, was wir gesagt haben, mag die folgende Tatsache als Bestätigung dienen. Denn da im Allgemeinen niemand gewohnt ist, schlauen und klugen Menschen so unterwürfig zu gehorchen, als solche, deren Seele durch die Herrschaft der Leidenschaften geschwächt und zersetzt ist, so hat es in der Sekte der Freimaurer einige gegeben, die mit List und festem Vorsatz beschlossen und vorgeschlagen haben, daß die Menge mit einem grenzenlosen Freibrief des Lasters gesättigt werden sollte, da sie, wenn dies geschehen wäre, leicht unter ihre Macht und Autorität kommen würde.“ (1)

(1) Cf. supra, chap. v, P- 114 and 118.

An anderer Stelle gibt der Papst weitere Gründe für die kompromisslose Haltung der Kirche gegenüber der Freimaurerei an.

„Zu simulieren und zu wünschen, versteckt zu werden; Menschen wie Sklaven in den engsten Banden zu binden; und, ohne einen ausreichenden Grund zu geben, Menschen, die dem Willen eines anderen versklavt sind, für eine willkürliche Handlung zu gebrauchen; die rechte Hand der Menschen zum Blutvergießen zu bewaffnen, nachdem man sich Straffreiheit für das Verbrechen gesichert hat – all dies ist eine Ungeheuerlichkeit, vor der die Natur zurückschreckt. Daher machen Vernunft und Wahrheit selbst deutlich, daß die Gesellschaft, von der Wir sprechen, im Widerspruch zur Gerechtigkeit und natürlichen Aufrichtigkeit steht.“ (1)

Die vielleicht bemerkenswerteste aller päpstlichen Äußerungen zur Freimaurerei ist diejenige desselben Papstes in dem Apostolischen Schreiben, das er 1902 anlässlich des silbernen Jubiläums seines Pontifikats an die Bischöfe der ganzen Kirche richtete. In diesem Brief, aus dem wir später zitieren werden, weist er auf das zerstörerische Werk, die Ziele und die Methoden der Freimaurer-Sekte hin, die in den vorangegangenen fünfundzwanzig Jahren immer deutlicher zutage getreten waren. (2)

(1) Humanum Genus, 1884. (Cf. ibid., pp. 221-233 ; See also The Great Encyclicals of Leo XIII. Benziger : New York, 1913, pp. 87-100).

(2) Parvena a la Vingt-cinquième année, March 19, 1902. Cf. Œuures de Leo XIII, tome vi, pp. 287, 288 (La Bonne Presse, 5 Rue Bayard, Paris). See Preface and also chapter viii (pp. 154 and 157-8) for some extracts from this letter. –
aus: Pater E. Cahill SJ – Freemasonry and the Anti-Christian Movement, 1930, S. 126 – S. 130

zur Auflistung aller Beiträge über die Freimaurerei: Katholische Beiträge zur Freimaurerei