F. X. Weninger SJ: Katholizismus, Protestantismus und Unglaube
Drittes Hauptstück
Erster Abschnitt – Religiöse Vorurteile
Religiöse Vorurteile gegen den Zölibat – Der Zölibat der katholischen Priester
Was euch ferner ein Dorn im Auge ist, ist der Zölibat der katholischen Priester, der Gebrauch der lateinischen Sprache beim Gottesdienst und die Zeremonien des katholischen Gottesdienstes, die ihr gerne als „sinnlos“ zu bezeichnen pflegt.
Was erstlich den Zölibat (Vgl. Segur, Vertrauliche Unterhaltungen, S. 91 u. 93) betrifft, so ist derselbe freilich nicht so unumgänglich notwendig, dass ohne denselben die katholische Kirche nicht bestehen, oder dass nach Umständen gar keine Ausnahme stattfinden könnte. Ihr wisst doch, dass die katholischen griechischen Priester der unierten griechischen Kirche sich verheiraten und deshalb doch katholisch sind. Aber eben diese verheirateten katholischen Priester der griechisch unierten Kirche beweisen sonnenklar den unermesslichen Vorteil, den die Praxis der lateinischen Kirche den Dienern des Heiligtums zur würdigen und gesegneten Ausübung des heiligen Amtes zum Wohl und Heil der Gläubigen gewährt.
Kennt ihr den Zustand diese verheirateten griechisch-katholischen Klerus? Geht nach Galizien an die Grenzen Russlands. Ich war dort. Wie tief ist das die Würde und der Einfluss dieser verheirateten katholischen Priester in den Augen des Volkes gesunken. Das Volk fühlt es nur zu oft, dass der verheiratete Seelsorger nicht der allgemeine geistliche Vater in der Gemeinde ist, sondern dass, wie der Apostel es von allen Verheirateten bezeugt, sein Herz geteilt ist zwischen der Sorge, Gott und dem Weibe zu gefallen, zwischen der Sorge für seine Familie und der Sorge für die Gemeinde.
Es fühlt es nur zu oft, dass diese Sorge nicht nur geteilt ist, sondern dass dem Ehemann und Vater noch mehr sein Weib und seine Kinder am Herzen liegen, als das Wohl der Gemeinde, dass er sich auch mehr für jene als für diese bemühe und dass die Frau vielleicht nur einen gar zu großen Einfluss auf ihn übe, ihn an der Verwaltung seiner geistlichen Pflichten verhindere, ja dass sie wohl selbst in selbe sich mische.
Namentlich was die Verwaltung des Bußsakramentes betrifft, so pflegt das griechisch-katholische Volk, wo es immer Gelegenheit hat, hundertmal lieber dem lateinischen unverheirateten Priester, als dem eigenen verheirateten griechischen Popen zu beichten. Ich frage euch selbst auf euer Gewissen, Amerikaner, nach eurer eigenen Menschenkenntnis und Stimmung, wem wollt ihr lieber beichten, eurem verheirateten Pastor oder einem unverheirateten katholischen Priester? Gewiss dem Letzteren.
Es hat schon mehr als einmal, und wie ihr wisst, vor nicht langer Zeit, namentlich den protestantischen Pastoren in England gelüstet, die Beichte wieder einzuführen, allein da hat auch das protestantische Volk überall schon dieselbe Antwort bereit: Da werden wir lieber katholisch – Euch beichten wir nicht.
Was soll man erst sagen, wenn ein Priester mehrere Gemeinden zu versehen hat und nicht immer zu Hause sein kann, oder wenn er wohl gar ein Bischof wäre, der eine ganze Diözese zu überwachen und zu bereisen hätte? Las ich doch einst in einer eurer protestantischen Zeitungen, wie bitter sich ein protestantischer Bischof über seine verwickelte Lage beklagte.
Er schrieb: „Was soll ich tun, Freund, raten Sie mir: Erfülle ich meine Pflicht als Bischof gegen meine Diözese und visitiere dieselbe, dann murrt mein Weib zu Hause, dass ich so lange abwesend bin, und ich bekomme schlechte Zeiten mit ihr, und wenn ich das vermeiden und Frieden im Hause haben will und zu Hause bei ihr bleibe, wie kann ich dann meinem Gewissen als Bischof genügen?“
Ein katholischer Priester und Bischof ist frei von diesem peinlichen Zwang, den belästigt und beirrt kein solches Dilemma. Wie misslich aber wird erst dann der Stand des Pastors, wenn das Weib eifersüchtig ist, oder wenn ungeratene Kinder in der Gemeinde Ärgernis geben? Oder wenn auch das nicht der Fall ist; wie wird seine Sorge für die Gemeinde gestört, wenn Krankheiten und Todesfälle in seiner Familie eintreten, alle seine Zeit in Anspruch nehmen und sein Gemüt zerrütten?
Sagt mir: Erlaubt ihr euren Soldaten zu heiraten? In der Regel nicht, und am wenigstens zur Kriegszeit. Warum? Damit der Soldat ganz Soldat sei. Ein verheirateter Offizier ist gleichfalls nur halb Militär. Der Priesterstand ist auch eine Art geistliches Militär: eine geistliche Armee zum Schutz des Glaubens und zum Dienst der Gläubigen. Wenn es nun für den Soldaten ziemender ist, dass er unverheiratet sei, um so mehr ziemt sich das für den Priester und seine Amtsverwaltung.
Kein Wunder, dass selbst öffentliche protestantische Bekenntnisse den Wunsch nach unverheirateten Dienern des Heiligtums ausgesprochen. (Confess. Helvet. 2. c. 29. Edward 6. c. 21.) –
aus: Franz Xaver Weninger, Katholizismus, Protestantismus und Unglaube. Ein Aufruf an alle zur Rückkehr zu Christentum und Kirche, 1869. S. 137 – S. 139
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- Beiträge von F. X. Weninger
- F. X. Weniger, Katholizismus, Protestantismus und Unglaube – Inhaltsangabe des Buches
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