Welche die Kirche Christi ist

Sichtbare und unsichtbare Kirche: Die Sichtbarkeit der Kirche - Oberer Teil der Peterskirche mit den Aposteln

F. X. Weninger SJ: Katholizismus, Protestantismus und Unglaube

Beiträge von Franz Xaver Weninger: österreichischer Jesuit, geistlicher Schriftsteller und Volksmissionar

Viertes Hauptstück

Die Widersprüche des Unglaubens – Sechste Brücke: Welche die Kirche Christi ist

Die Kirche

Wir stehen an der sechsten Brücke. Rechts stehen die zwölf Apostel und die Zum Christentum bekehrten Völker der Erde, – links die Juden der Neuzeit, dann Mohammed mit dem Koran und alle noch bis auf diese Stunde unbekehrten heidnischen Völker.

Amerikaner! Soll euch da die Wahl schwer werden zwischen Christentum und zwischen den Juden, Türken und Heiden der Mitwelt? Alle die soeben angeführten Beweise der Gottheit Christi und seine Sendung, gehen auch auf die von Ihm gestiftete Kirche über. Jeder erinnere sich an das, was ich schon früher von den unleugbaren Merkmalen der Göttlichkeit der katholischen Kirche gesagt habe.

Ich mache nur noch einmal insbesondere auf das Wunder der Gründung und Verbreitung der Kirche Christi aufmerksam und erinnere euch an das bündige und hochgefeierte Dilemma, welches der hl. Augustin schon den Ungläubigen seiner Zeit entgegengehalten; nämlich: Entweder wurde die Welt zum Glauben an Christus und seine Kirche mit oder ohne Wunder bekehrt. Wurde sie durch Wunder bekehrt, so ist der Glaube göttlich, wurde sie ohne Wunder bekehrt, so ist das selbst das größte Wunder.

Jeder denkende Geschichtsforscher, der die damalige Weltlage zu würdigen imstand ist, als das Christentum in die Welt eintrat, wird die Richtigkeit dieser Folgerung des hl. Augustin als ganz klar und unbezweifelbar wahr anerkennen. Der Einführung und Verkündigung des Evangeliums und somit der Stiftung der Kirche Christi stand ja von Seite der Juden- und Heidenwelt alles entgegen, was nur ein Hindernis genannt werden kann.

Von Seite der Synaoge widersetzte sich der Kirche die Anhänglichkeit an das alte Testament, die Jahrtausende in das Herz gesenkt war, die getäuschten Hoffnungen eines irdischen Messias; das Bekenntnis des begangenen Unrechts an Christus vonS eite der Führer des Volkes; die höheren Anforderungen des christlichen Gesetzes, gegründet auf Selbstverleugnung, besonders die Unauflösbarkeit der Ehe; bei vielen noch über dies der Verlust des früher gehabten Ansehens und Einflusses auf die Menge, namentlich was den Priester- und Levitenstand betrifft, der aufgehoben ward, so dass Bekehrte aus jedem Stand Anspruch auf den Dienst im Heiligtum der neuen Kirche machen konnten; wobei überdies der diesen Priestern und Leviten früher gesicherte Lebensunterhalt verloren ging.

Von der anderen Seite türmte sich gegen das Christentum der ganze Stolz, die Sinnlichkeit und leidenschaftliche Verblendung des Heidentums. Was musste es doch die Machthaber des römischen Kaiserreiches und jeden Bürger desselben gekostet haben, einen dem Anschein nach als Verbrecher Gekreuzigten und durch einen ihrer Beamten verurteilten Juden als Gott und Erlöser der Welt anzuerkennen und anzubeten?

Was musste es diese Heiden gekostet haben, den sinnenschmeichelnden Dienst der Götter des Olymp mit der Anerkennung und Anbetung eines undenldich heiligen und unendlichen gerechten Gottes zu vertauschen? Was musste es sei gekostet haben, den Stolz einer hochfahrenden Philosophie unter die Demut des Kreuzes zu beugen, und die Vernunft, wie der hl. Paulus sagt, im Dienst des Glaubens gefangen zu geben? Was musste es diese ausschweifende Heidenwelt die in Lüste versenkt war, wie wir es jetzt vielleicht nicht träumen, gekostet haben, eine Religion anzunehmen, welche gebietet, das Fleisch mit seinen bösen Lüsten zu kreuzigen?

Justin, der bekehrte Philosoph, hatte Recht, den Heiden seiner Zeit besonders diesen Umstand zur Beherzigung vorzulegen: Denkt, dass wir nicht als Christen geboren, sondern Christen geworden sind. Wir lebten mit euch lange genug, wir besuchten mit euch die philosophischen Lehrsäle eurer Akademien zu Athen und anderwärts. Was meint ihr? Bevor wir uns dazu entschlossen, Christen zu werden, haben wir wohl sicher geprüft und ernstlich geprüft; und nur das Gewicht der erkannten unleugbaren Wahrheit konnte uns antreiben und stärken, das zu tun, was wir wirklich getan, nämlich, dass wir Christen geworden.

Etwas ähnliches dürften euch auch heute alle diejenigen edeln Seelen sagen, die unter euch geboren, mit euch erzigen – katholisch geworden. Es sei euch wenigstens das eine Mahnung, die Sache nicht leichtsinnig zu nehmen, sondern zu tun, was wir getan, d. h. zu prüfen.

Welch einen Kampf und welch eine Feuerprobe der Überzeugung galt es besonders, als die römischen Kaiser das Schwert gegen diese neue Religion gezückt; und das taten sie gleich bei dem Beginn, noch zu Lebzeiten der Apostel und haben erst nach dreihundert Jahren für einige Zeit in die Scheide gesteckt.

Wahrlich, die Kirche, die wie ein Baum unter der Erde in den Katakomben ihre Wurzeln in das Erdreich der Herzen einsenkte, und die trotz aller Stürme der Verfolgung, ja gerade durch dieselben, noch fester eingerüttelt, um Riesenbaum heranwuchs, der bald über die ganze Erde seine Äste ausbreitete, auf dem die Vögel des Himmels wohnen, d. h. auf dem die Völker die Wohnung und Nahrung des Geistes für ihr religiöses Leben fanden; wahrlich, sage ich, die Kirche ist mit dem Merkmal der Hand des Allerhöchsten bezeichnet, und alle aufrichtig prüfenden Forscher der Wahrheit mussten und müssen anerkennen: „Wahrlich hier ist der Finger des Allerhöchsten.“

Und wie wächst erst die Kraft dieses Beweises, wenn wir daran denken, wie diese Kirche durch den Lauf der Jahrhunderte alle Völker bekehrte und durch ihren Einfluss auf die Sitten die bürgerliche Gesellschaft ordnete und heiligte. Wer sollte da nicht dieselbe als das von Christus auf Erden gestiftete Reich Gottes anerkennen?

Dass aber diese Kirche Christi keine andere ist als die katholische Kirche, das brauche ich hier nicht weitläufig zu rechtfertigen; ich habe es bereits ausführlich getan, als ich von den Merkmalen der wahren Kirche Christi sprach und besonders die Kraft nachwies, welche in diesem Beweisgrund liegt: Die erste Kirche ist die wahre; das ist aber keine andere als eben die katholische Kirche, wie das ganz besonders aus der ununterbrochenen Reihe der Nachfolger ihrer Oberhäupter erhellt, nach dem so wohlbegründeten Ausspruch des hl. Ambrosius: „Wo Petrus ist, da ist die Kirche.“

Die katholische Kirche

Wir stehen an der siebten Brücke. Zur rechten Seite der Brücke steht Petrus mit seinen Nachfolgern, den römischen Päpsten, bis auf den uns wohlbekannten und hochgefeierten Pius IX. (*); auf der linken Seite Simon Magus bis auf die St. Simonisten, Arius, Macedonius, Eutyches, Nestorius, Pelagius mit allen übrigen Sektenhäuptern der folgenden Zeiten und den von ihnen gestifteten Sekten. Auch da kann die Wahl für den logischen Denker, der bereits an Christum glaubt, nicht schwer sein.

So gewiss es ist, dass Christus zu Petrus gesagt: „Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen; dir bene ich die Schlüssel des Himmels, weise meine Lämmer, weide meine Schafe“, und so gewiss es ist, dass Pius IX. der Nachfolger Petri ist, ebenso gewiss ist es, dass keine Kirche der Welt einen Anspruch und ein Recht hat, sich katholisch zu nennen, als eben die, welche mit Rom in Verbindung steht, die katholische Kirche.

Wir haben jede Trennung von ihr und jede Möglichkeit einer Reformation und Änderung der ersten Kirche als uneralubt, als Widerspruch und Widersinn bereits in diesen Blättern früher nachgewiesen.

Ihr, die ihr bisher nicht geglaubt, kennt ihr die Geschichte und habt ihr mit mir nun unparteiisch geprüft und logisch gedacht, dann werdet ihr es auch mit Gottes Beistand fühlen, dass ich recht gehabt, wenn ich gesagt: Wenn ihr den Mut habt, mit mir zu denken und unparteiisch zu prüfen und euer Herz den Erleuchtungen der Gnade nicht vorsätzlich verschließt, dann müsst ihr die katholische Kirche als die eine von Gott gestiftete Religion und Kirche anerkennen, und mithin, wenn ihr Gott und der Wahrheit die Ehre geben und das Heil eurer Seele sicher stellen wollt, so müsst ihr dieselbe auch bekennen und nach ihrer Lehre leben. –

Wer an jeder dieser Gedaneknbrücken mit mir stehen geblieben und mit mir die Kraft des Beweises erwogen, der in der Überschrift liegt, die sie trägt, der hat es auch gefühlt, dass jede derselben ihn unabweisbar mahnt: entweder – hinüber oder hinab.

Ich habe, bevor ich meine Beweisführung schließe, nur noch einige der gangbarsten Einwürfe der Ungläubigen zu widerlegen.

(*) bis auf Pius XII. aus heutiger Sicht

aus: Franz Xaver Weninger, Katholizismus, Protestantismus und Unglaube. Ein Aufruf an alle zur Rückkehr zu Christentum und Kirche, 1869, S. 198 – S. 202

Siehe auch die weiteren Beiträge über die Kirche:

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Bildquelle

  • Weninger_Franz_Xaver: wikimedia | Public Domain Mark 1.0
  • rome-7558127_640: pixabay
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