Vision eines Papstes nach Pius VII.

Anna Katharina sitzt, an zwei dicken Kissen angelehnt, im Bett, der Kopf ist verbunden, sie hält und betrachtet ein Kruzifix, das sie in der Hand hält

Die Visionen der Anna Katharina Emmerich

Kirchenfest wegen eines künftigen Papstes

Am 15. Januar 1822 Abends erbrach sie einen Strom von Blut und sagte darnach plötzlich: Da ist alleweil ein so frommer Pfarrer in Rom aus Alter gestorben. Er erhielt die Generalabsolution; ich habe sie mit empfangen. Seine Seele fuhr gerade hinab in das Fegefeuer. Sie wird aber sehr bald wieder heraus kommen. Wir müssen beten. Er war so gut mit dem Papst und hat während dessen Gefangenschaft heimlich sehr viel Gutes gewirkt. Nun wird der Papst wohl auch nicht mehr lange leben.“ (*) Sie sagte noch: „Dieser fromme Mann war einer von den zwölf Männern, welche ich immer unbekannt die Kirche empor halten sehe und wovon ich früher manchmal erzählt. Er ist der zweite, der davon gestorben, zehn leben noch; ich sehe aber wieder junge aufwachsen. Er war ein Freund und Ratgeber des Papstes, hat aber aus treue gegen seine Gemeinde nie eine höhere Stelle annehmen wollen.“ Sie erschöpft sich in allgemeinem zärtlichen Lobe desselben.

Am 27. Januar 1822 (Pauli Bekehrung nach dem Münsterschen Kalender) lag sie den ganzen Nachmittag innig betend in tiefer Ekstase. Am Abend sagte sie dem Pilger: „Es war in der geistigen Kirche ein Dankfest, es war eine große Glorie darin, ein prächtig geschmückter Thron. Paulus und Augustinus und andere bekehrte Heilige waren besonders tätig dabei. Es war ein Dankfest der triumphierenden Kirche für eine große Gnade, welche erst künftig zur Reife kommen soll. Es war wie eine künftige Weihe dabei. Es betraf die Sinnesänderung eines ziemlich jungen, schlanken vornehmen Mannes, der einmal Papst werden soll. Ich sah ihn von anderen frommen Männern umgeben unter in der Kirche; er war mit dem alten frommen Geistlichen verbunden gewesen, dessen Tod ich vor einigen Tagen in Rom gesehen habe. Ich sah in dem Bild auch viele Christen sich mit der Kirche vereinigen. Sie gingen durch die Wände der Kirche ein. Ich sah, daß jener Papst streng sein und die kalten, lauen Bischöfe von sich weisen wird. (**) Es ist aber noch viel dazwischen bis dahin. Alle, die durch ihr Gebet zu dieser Gnade mit beigetragen haben, waren in der Kirche gegenwärtig. Ich sah auch die anderen besonderen Beter dabei, die ich oft sehe. Der junge Mann hatte schon Weihen, und es war, als würde er heute Etwas. Er ist nicht aus Rom, aber doch nicht sehr weit weg, ein Italiener, und ich meine, von frommem Fürstenstand. Er reist manchmal. Es soll wohl noch eine Zeit hingehen mit vielem Streit und Verwirrung. Es war ein unbeschreiblich schönes, freudiges Fest, und ich war recht glücklich; aber es dauert die Kirche noch fort, ich will wieder hin.“ Mit diesen Worten sank sie wieder in Ekstase. Der Beichtvater erzählte am folgenden Tage, sie habe sich im Bett erhoben und in Ekstase innig gebetet, bis er ihr befohlen habe, sich wieder zu legen.

(*) Pius VII. starb am 20. August 1823 in Folge des durch einen Fall erlittenen Bruches des Hüftknochens.

aus: K. E. Schmöger CSsR, Das Leben der gottseligen Anna Katharina Emmerich, Zweiter Band, 1873, S. 322-323

(**) Anm.: Möglicherweise ist es Pius IX., den Anna Katharina Emmerich hier sieht und beschreibt.