Gottvater, ein Engel mit dem Flammenschwert zu Eva gewandt, ein anderer Engel mit einem Zweig zu Maria gewandt

P. Joseph Deharbes größere Katechismuserklärung
IV. Von der Übertretung der Gebote oder von der Sünde
§ 2. Von den verschiedenen Gattungen der Sünde
4. Von den fremden sünden

Von fremden Sünden Die Sünde loben

5. Die Sünde anderer loben

So handeln Schmeichler, die um die Gunst der Vornehmen buhlen und darum die Schwächen und Laster derselben zu Tugenden stempeln; so Väter und Mütter, welche die erwachende Eitelkeit und Putzsucht ihrer Töchter, anstatt sie zu tadeln, vielmehr beloben und töricht genug sind, deren erste Schritte auf der schlüpfrigen Bahn des Weltsinnes und der Gefallsucht beifällig zu bewundern; leichtsinnige Freunde, die ihresgleichen rühmen wegen ihrer Stärke und Gewandtheit im Raufen und Schlagen, wegen ihrer Kühnheit im Widerstand und in der Auflehnung gegen das elterliche Ansehen, wegen ihrer Geschicklichkeit in der Ausführung von schmählichen Liebesabenteuern, wegen ihrer Fertigkeit, Geld zu bekommen, wegen ihrer Überlegenheit im Trinken; so endlich jene heillosen Verführer, die den gottlosesten Spöttereien wider die Religion und ihre Diener, den gewissenlosesten Verleumdungen und Ehrabschneidungen, den abscheulichsten Zoten und Possen Beifall klatschen.

6. Zur Sünde anderer stillschweigen

Schon die Nächstenliebe fordert, daß wir das Böse bei andern verhindern, falls wir ohne große Schwierigkeit oder besondern Nachteil dazu imstande sind. Wer also schweigt, wo er leicht durch Warnung, liebevolles Zureden oder Anzeige bei Eltern oder Vorgesetzten die Sünde des Nächsten verhindern oder dem bereits eingeschlichenen Übel steuern könnte, der trägt Mitschuld an dessen Sünde. Dies gilt doppelt von denjenigen, welche durch ihre Stellung oder Ihr Amt die besondere Pflicht haben über andere zu wachen, sie zu warnen und zu mahnen. Deshalb spricht der Herr durch den Mund des Propheten Ezechiel (3, 18): „Wenn ich den Gottlosen mit dem Tode bedrohe und du es ihm nicht verkündigst, daß er von seinen bösen wegen sich bekehre und lebe, so wird er, der Gottlose, in seiner Missetat sterben, aber sein Blut will ich von deiner Hand fordern.“ –
aus: Joseph Deharbes größere Katechismuserklärung, Bd. 2, 1912, S. 367-368