Die Ewigkeit der Hölle und Höllenstrafen

Das Dogma der Verdammnis zur Hölle

F. X. Weninger SJ: Katholizismus, Protestantismus und Unglaube

Beiträge von Franz Xaver Weninger: österreichischer Jesuit, geistlicher Schriftsteller und Volksmissionar

Zweiter Abschnitt

Beantwortung der Einwürfe

Unbegreifliche göttliche Geheimnisse für den menschlichen Verstand – Die Ewigkeit der Hölle

Es gibt besonders eine Glaubenslehre, welche die Ungläubigen mit Spott und Wut anfeinden, und die ihnen an und für sich als hinreichender Grund gilt, dieselbe und die gesamte Heilslehre der Offenbarung überhaupt als unwahr und der gesamten Vernunft widersprechend zu verwerfen. Diese Glaubenswahrheit ist die Ewigkeit der Höllenstrafen. Lasset uns sehen und prüfen, ob und wie weit der Unglaube ein Recht hat, so zu tun und zu urteilen.

Der Hauptgrund, welchen die Ungläubigen gegen die Ewigkeit der Hölle geltend zu machen suchen, ist die unendliche Barmherzigkeit Gottes. Sie meinen, diese stehe im grellste Widerspruch mit der Ewigkeit der Höllenstrafen. Allein, ich frage erstlich: Warum denkt ihr Ungläubige nicht da, wo es sich um Bestrafung des Sünders handelt, zuerst an Gottes unendliche Gerechtigkeit? Warum folgert ihr nicht aus dem Begriff der unendlichen Gerechtigkeit Gottes vielmehr die Endlosigkeit der Strafe für den, der durch eine schwere Sünde sich von Gott völlig abgewendet hat?

Ohne Zweifel ist Gott unendlich gut; und darum belohnt er auch die Guten mit endlosen Freuden; darin findet ihr keinen Widerspruch. Allein er sit auch unendlich gerecht, und deshalb straft er auch den Frevler mit endlosen Peinen; das scheint euch ein Widerspruch; und dennoch erkennt die Vernunft aus der Natur der Sünde, dass sie mehr Grund hat zu behaupten, dass die Strafe des Sünders endlos sei, als dass die Belohnung des Guten in übernatürlichen Freuden ewig sei.

Diese kann sich kein Mensch eigentlich verdienen; allein was die Strafe betrifft, so erkennt die Vernunft, dass, da die schwere Sünde eine wirkliche Abwendung von Gott ist und in dieser Beziehung den Charakter einer unendlichen Schuld an sich trägt, die Strafe auch endlos sein müsse, um dem Charakter der Schuld zu entsprechen.

Die Ewigkeit der Hölle ist ohne Zweifel eine furchtbare Wahrheit, und deshalb leugnen Ungläubige dieselbe und tun ihr Möglichstes, um dieselbe wenigstens in Zweifel zu ziehen, um ihr Gewissen zu beruhigen und freier zu sündigen. Allein sie bemühen sich vergebens; die eigene Vernunft widerspricht und beweist nur zu klar die Gerechtigkeit und Wirklichkeit der ewigen Strafen.

Die Ewigkeit der Hölle ist ein undurchdringliches Geheimnis

Das will ich hier in Kürze nachweisen. Ich gebe zu, dass die Ewigkeit der Hölle in gewisser Beziehung ein undurchdringliches Geheimnis sei. Doch, wie bereits bemerkt, umhüllt Unbegreiflichkeit alle Werke Gottes, besonders in ihrer Beziehung zur Zeit und Ewigkeit. Das gilt auch in moralischer Beziehung. Wie könnte der beschränkte Menschengeist Gott den Unermesslichen und in jeder Beziehung Unendlichen erfassen? Wie sollte also der Mensch ein Recht haben, geradezu bloß auf seine Vernunft gestützt, überhaupt über die Wirklichkeit der Ewigkeit der Höllenstrafen abzuurteilen?

Ein solches Urteil geht an und für sich über seine Sphäre hinaus. Ich stelle demnach mit Recht gegen die Anmaßungen der Ungläubigen diese Behauptung auf: Ihr könnt das nicht als unwahr verwerfen, worüber ihr nach dem Ausspruch eurer eigenen Vernunft kein Endurteil zu fällen berechtigt seid.

Was Sünde, Zurechnung und Strafe derselben betrifft, gehört seiner Natur nach, als geradezu auf Gott sich beziehend, nicht vor den Richterstuhl der bloßen Vernunft, sondern vor den Richterstuhl Gottes und somit der Offenbarung und des Glaubens. Sich da selbst zum Richter aufzuwerfen und ein Endurteil fällen wollen, verbunden mit der Gefahr, sich zu irren und für ewig verloren zu gehen, ist an und für sich das äußerste Wagnis und die schreiende Unvernunft.

Diese Vermessenheit der Ungläubigen, kurzweg abzuurteilen und sich über die Androhung ewiger Strafen hinwegzusetzen, ist um so größer und frevelhafter, wenn wir auf die Zahl und das Ansehen derjenigen hinblicken, die ihnen gegenüber die Ewigkeit der Höllenstrafen glauben und behaupten.

Welch ein unermessliches Übergewicht, von Talent und Gelehrsamkeit sowohl als an Zahl, ist da auf der einen Waagschale gegen die der ungläubigen Spötter, welche die Wahrheit der Höllenstrafen verlachen. Es stehen ihnen gegenüber alle Bekenner des christlichen Glaubens durch achtzehnhundert Jahre in allen Teilen der Welt von Christus bis auf diese Stunde, und das nicht nur die Kinder der katholischen Kirche, sondern überhaupt die ganze christliche Welt.

Der Glaube an ewige Strafen ist in der gesamten Menschheit vorhanden

Welch ein Gewicht von Gelehrsamkeit, Talent und Tugend vereinigt sich in dieser Menge? Es stehen ihnen selbst alle heidnischen Völker, die Juden und Mohammedaner, ja die gesamte Menschheit entgegen, seien es wilde oder zivilisierte Völker der Gegenwart und Vorzeit.

Allen, die mit der römischen und griechischen Literatur vertraut sind, ist es bekannt, dass der Glaube an ewige Strafen das gemeinschaftliche Bekenntnis aller Philosophen, Redner und Dichter des klassischen Latertums gewesen. So singt Virgil:

„Sedet, aeternumque sedebit
Infelix Theseus.“
„Da sitzt und bleibt für ewig
Der unglückliche Theseus.“

Wie viele andere Stellen desselben Virgil und eines Ovid, Statius und anderer römischer und griechischer Dichter weisen auf denselben Glauben an eine Ewigkeit der Höllenstrafen hin. Der größte Teil des sechsten Buches der Aeneide sowie das elfte der Odysse des Homer ist angefüllt mit Beschreibungen der Peinen des Tartarus. Die Idee der Furien und die der Titanen, die des Rades eines Ixion, des Steines des Sisyphus und der Wirbel des Tantalus sind poetische Ausschmückung dieser selben Überzeugung.

Selbst der leichtsinnige Lukretius )Lucret. De Nat. Rerum.), ein Schüler Epikurs, legt über diesen Gemeinglauben der Menschheit ein sehr denkwürdiges Zeugnis ab, wenn er singt:

„Ignis ubi ardebit nullo delebilis aevo.“
„Dort brennt ewiges, nie mehr zu löschendes Feuer.“

Plato spricht in seinem Gorgias übereinstimmend mit Sokrates von einer zweifachen Gattung der Peinen zur Züchtigung der Sünder in jener Welt; die einen seien bloß vorübergehende und sühnende für geringere Vergehungen, die anderen seien „ewig und schauerlich“, zur Züchtigung für solche Verbrechen, für die es keine Sühnung mehr gibt. (Plato. Dial. Gorgias.) Dazu kommen die zahllosen Belege von anderen Nationen über den ganzen Erdball bis auf diese Stunde, wie die Werke und Berichte so vieler Gelehrten und Reisenden es bestätigen.

Dieser allgemeine Glaube der Völker aller Zeiten, aller Länder und jeder Bildung weist hinauf eine gemeinsame Quelle, nämlich die unserer Vernunft und auf das Wort der Uroffenbarung Gottes an das Menschengeschlecht.

Würde dieser allgemeine Glaube gegen die Hölle gerichtet sein, so würden sich die Ungläubigen gewiss sogleich auf denselben berufen: da er aber für die Wirklichkeit der ewigen Höllenstrafen zeugt, so wird er von denselben nicht beachtet und mit Schweigen übergangen; man beruft sich bloß auf das Diktat der eigenen Vernunft. Doch vergeblich. Denn, wie bereits bemerkt, so weist auch diese an und für sich auf die Wirklichkeit der ewigen Bestrafung des Todsünders hin.

Sechs Gründe für die Ewigkeit der Höllenstrafen

Wir haben den ersten Grund dafür bereits angegeben. Er liegt in der Natur der schweren Sünde und in dem Charakter der unendlichen Schuld, den dieselbe durch die völlige Abwendung des Menschen von Gott an sich hat.

Der zweite Grund liegt in der allgemeinen Beziehung zu Gott. Der Mensch ist für Gott erschaffen und unsterblich. So wie seine Belohnung, wenn er Gott dient, nur vollkommen ist, wenn sie ewig ist, so ist auch dessen Bestrafung, wenn er sich von Gott abwendet, nur dann vollkommen, wenn sie endlos ist.

Der hl. Gregor der Große gibt einen dritten Grund an. Er sagt: „Es ist gerecht, dass die Bestrafung des Sünders endlos sei, der, so lange gelebt, zu sündigen nicht aufhörte, und der, wenn er ewig lebte und dazu Gelegenheit hätte, auch ewig zu sündigen fortfahren würde. Gott wäre nicht Gott, wenn er nicht imstande wäre, eine der Beschaffenheit des Sünders durchweg entsprechende Strafe über denselben zu verhängen.“

Der vierte Grund, aus dem die Vernunft selbst auf die Ewigkeit der Höllenstrafen schließt, steht mit dem soeben erwähnten in nächster Verbindung, es ist das Ansehen und die Sanktion des ewigen göttlichen Gesetzes. Dieses Ansehen fordert, dass dasselbe unter allen Umständen für jeden einen vollkommen genügenden Beweggrund besitze, der zur Erfüllung desselben antreibt und vor der Verletzung desselben abschreckt. Doch dazu gehört auch und zwar ganz besonders der Beweggrund der Furcht vor den Folgen der Sünde.

Dieser wäre aber bei endlichen Strafen für unsterbliche Wesen völlig kraftlos. Selbst bei dem Glauben an die Ewigkeit der Höllenstrafen ist der Mensch noch schwach oder boshaft genug zu sündigen; was würde erst geschehen, wenn der Mensch wüsste, dass es keine Hölle gäbe und endlich über kurz oder lang alle ewig glücklich würden? Als ein unsterbliches Wesen würde der Sünder auf die zeitweiligen Strafen der Sünde nur mit Geringschätzung hinblicken.

Allein, könnte sich jemand denken: Wäre nicht die einstige Vernichtung des Sünders eine genügend zurückschreckende Strafe, und somit eine genügende Sanktion des göttlichen Gesetzes? Ich antworte: Nein.

Denn erstlich ist Vernichtung mehr eine Äußerung der Allmacht als der Gerechtigkeit. Ferner beweist die Tatsache der Selbstmorde, dass der Gedanke an das bloße Aufhören des Bestehens keineswegs den Sünder genügend zurückschrecke; denn was ist Selbstmord anders als ein verzweifelter Versuch der Selbstvernichtung. Wüsste der Sünder, dass Gott nicht mehr tun könne, als ihn zu vernichten, er könnte auch auf diese Folge, wenn er in die Tiefe des Lasters versinkt, noch mit Verachtung hinblicken.

Anders verhält es sich, wenn es eine ewige Strafe der Sünde gibt. Diese ist somit die einzig durchweg genügende Sanktion des göttlichen Gesetzes unter jedweder Bedingung. Diese Sanktion und Schirmung des ewigen göttlichen Gesetzes zur Aufrechthaltung der moralischen Weltordnung ist aber unendlich wichtiger als jedwede Rücksicht eines verkehrten Mitleidens mit dem Elend des Sünders, der es freiwillig zu übertreten wagt.

Wäre das göttliche Gesetz nicht durch die Androhung von endlosen Strafen geschirmt, so könnte es auch nicht in seinem Ansehen in den Augen rebellischer unsterblicher Wesen geltend gemacht werden. Gott wäre in Hinsicht auf solche alle zeitliche Strafen verachtende, unsterbliche Wesen gerade nur wie ein alter, schwacher und zürnender Vater, der nicht mehr imstande ist, seine pflichtvergessenen Kinder zu bändigen, denen er zum Gespött geworden.

Hingegen bei der Anordnung ewiger Strafen und ihrer wirklichen Vollstreckung muss auch ein Teufel beben!

Der fünfte Grund, den die durch den Glauben bereits erleuchtete Vernunft entdeckt, liegt im Begriff der menschlichen Freiheit, verbunden mit einem Vorbereitungs- und Prüfungsstand auf Erden, in welchem wir uns, nach dem Zeugnis der Offenbarung, wirklich befinden. Es entspricht im höchsten Grade der Weisheit Gottes, dass sie freien Geschöpfen, wie der Mensch ist, einen Prüfungsstand anberaumt, in welchem sie sich durch freie Wahl zwischen Gut und Böse zu entscheiden haben.

Dieses Erdenleben ist für uns die Prüfungszeit; durch den Tod verewigt sich der Mensch. Tritt er im Stande der Gnade in die Ewigkeit ein, so verewigt er sich in demselben und bleibt mit Gott vereinigt; tritt er im Stande der Ungnade in die Ewigkeit, so verewigt er sich auch in dieser Beziehung und bleibt getrennt von Gott. Die Zeit der Wahl und der Besserung durch seine Mitwirkung mit der göttlichen Gnade ist für ihn vorüber. Wie der Baum fällt, so bleibt er liegen, sagt mit Rücksicht darauf die heilige Schrift.

Licht und Finsternis scheiden sich für immer am Tage der Ewigkeit. Die menschliche Vernunft erblickt in dieser Anordnung der göttlichen Vorsehung nichts Widersprechendes, sondern im Gegenteil den Triumph der göttlichen Weisheit und Gerechtigkeit.

Den letzten Grund für die Behauptung, dass die menschliche Vernunft keinen Widerspruch bei der Androhung der ewigen Strafen der Sünde erblickt, sondern vielmehr dieselben als billig und wirklich anerkennt, entnehmen wir aus der inneren Stimmung derjenigen selbst, welche die Hölle leugnen. Sie fühlen trotz dieser ihrer Leugnung immer eine innerliche Furcht, dass es dennoch anders sein könnte. Daher der heimliche Ärger, so oft sie von den ewigen Höllenstrafen reden hören. Wären sie gewiss, dass es keine Hölle gäbe, so dürften sie nur geradezu lachen, wie über eine sonstige Fabel.

Allein so ist ihnen doch nicht zu Mute. Ein heimlicher Schrecken begleitet ihren Spott. Sie suchen denselben so viel wie möglich zu übertäuben; doch weiter bringen sie es nicht, als dass sie zweifeln, ob es eine Hölle gebe oder nicht. Wer aber im Zweifel steht, ob es eine Hölle gebe oder nicht und doch so handelt, als wäre er gewiss, dass es keine gebe, der spricht aller Vernunft und dem Gesetz Gottes in solcher Weise Hohn, dass in der Tat Gott, wenn noch keine Hölle wäre, zur Züchtigung eines solchen Frevels, eine Hölle erschaffen sollte.

Diese Bemerkung erinnert mich an jenes wohlbekannte Zwiegespräch eines Christen mit einem Atheisten, wo der Gotteslästerer zum Christen spricht: O lieber Christ, was für ein Tor du bist, wenn keine Hölle ist? Du fürchtest dich umsonst. Worauf der Christ die Antwort gab: O Atheist, was für ein Tor du bist, wenn eine Hölle ist? Wie geht es dir alsdann?

Genügt nicht als Strafe der Verlust der ewigen Freuden im Himmel?

Auch hier endlich, wie auch gewöhnlich sonst, steht die Theorie und Praxis der Ungläubigen im grellen Widerspruch. Sie finden es billig, dass gewisse Verbrecher für Lebenszeit zur Kerkerstrafe, ja wohl zum Tode selbst verurteilt werden. Das Ansehen des Gesetzes und das Wohl der bürgerlichen Gesellschaft verlange die Vollstreckung solcher Strafen. Doch was anders ist in den Augen des Ungläubigen, der vielleicht nicht einmal an die Unsterblichkeit der Seele glaubt, lebenslänglicher Kerker, als eine endlose Strafe, als eine irdische Hölle.

Verlangt das Ansehen des menschlichen Gesetzes dieselbe für die Zeit, um so mehr verlangt eine ähnliche Strafe das Ansehen des göttlichen Gesetzes für die Ewigkeit, und das aus noch weit gewichtigeren Gründen, wie wir bereits nachgewiesen.

Doch könnte man fragen: Genügt zu dieser Sanktion nicht der Verlust der ewigen Freuden des Himmels allein?

Ich antworte: Nein; denn für die bei weitem größere Mehrzahl ist ein unsterbliches Bestehen ohne Schmerz ein Zustand, der nichts Abschreckendes an sich hat.

Nur endlose Pein ohne Schatten von Änderung ist für jedweden Sünder und Bösewicht eine Drohung, die ihn, wenn er seine Vernunft gebrauchen will, zurückschrecken muss. Sei es, dass ein Mensch auch gar keine Liebe zu Gott fühlt und gar kein Verlangen nach der Seligkeit seines ewigen Besitzes hat, so muss ihm doch der Gedanke an endlose Leiden als genügender Beweggrund erscheinen, um vor der Übertretung des göttlichen Gesetzes zurückzuschrecken.

Das gilt um so mehr, wenn es sich um den Verlust von übernatürlichen Freuden handelt, bei Wesen, die, wie wir Menschen, erschaffen sind, um ihre ewige Seligkeit in dem übernatürlichen Besitz Gottes zu finden. Der Verlust dieser Seligkeit erscheint in den Augen des fleischlich gesinnten Sünders als kein solcher, der ihn abschrecken sollte, dafür lieber die sinnlichen Freuden der Sünde zeitlebens zu genießen.

Warum der hartnäckige Sünder die Hölle leugnet

„Der fleischliche Mensch“, sagt mit Recht der hl. Paulus, „versteht nicht, was des Geistes Gottes ist. Es ist für ihn Torheit und er begreift es nicht.“ (1. Kor. 2, 14) Im Gegenteil, alles, was man ihm darüber sagt, lässt ihn kalt. Hingegen der Gedanke an endlose Peinen erschreckt auch den Verruchtesten. Um daher dieselbe nicht annehmen zu müssen, leugnet er lieber ihre Möglichkeit, ja er bemüht sich, die Unsterblichkeit und ein künftiges Leben überhaupt sich aus dem Sinn zu schlagen.

Um die Stimme seiner Vernunft zu übertäuben, die ihn daran nur zu kräftig erinnert, stürzt er sich blindlings in den Taumel seiner sinnlichen Leidenschaften und sucht, so viel er kann, die Dinge, die hier sind, nach vollem Gelüste zu genießen. Die Sprache solcher Menschen ist heute gerade noch dieselbe, wie sie vor Jahrtausenden, nach dem Zeugnis Salomons, gewesen. Hören wir, wie im Buch der Weisheit die Bösen sich zu überreden suchen und zur sündhaften Lust ermuntern.

„Unser Geist“, sagen sie, „vergeht einst wie Dunst und unser Leben schwindet wie ein Schatten. Kommt daher und lasst uns schnell die Geschöpfe genießen in unserer Jugend. Lasset uns trinken köstlichen Wein und uns salben und lassen wir nicht an uns vorüberziehen die Blüte der Zeit. Krönen wir uns mit Rosen, bevor sie welken, lasst keinen Ort unberührt von den Spuren unserer Freude. Lasset keinen aus uns ziehen ohne seinen Teil an der Lust. Lassen wir überall die Spuren unserer Freude zurück, denn das ist unser Los und Anteil. So dachten sie und irrten, denn ihre Bosheit verblendet sie, und sie erkannten nicht die Geheimnisse Gottes.“ (Weisheit 2)

Dasselbe gilt von den Gesinnungen der Ungläubigen unserer Tage nach beinahe dreitausend Jahren.

Die Sanktion des göttlichen Gesetzes ist Vollendung der göttlichen Gerechtigkeit

Endlich ist die zweifache Sanktion des göttlichen Gesetzes durch ewige Belohnung des Guten und ewige Bestrafung des Bösen die vollendete Darstellung einer und derselben ewigen Gerechtigkeit Gottes. Weil Gott unendlich gerecht und heilig ist, belohnt er das Gute mit endlosen Freuden, und weil er unendlich gerecht und heilig ist, bestraft er das Böse mit ewigen Peinen. Es ist eine und dieselbe ewige Gerechtigkeit, welche ewig belohnt und ewig bestraft.

Mithin ist diese Belohnung und Bestrafung in der unendlich vollkommenen Natur und Wesenheit Gottes selbst gegründet, da alle die verschiedenen Eigenschaften Gottes im Grunde nur eine und selbe unendlich vollkommene göttliche Natur, mithin Gott selbst sind. Wir unterscheiden diese Eigenschaften Gottes nur nach verschiedenen Beziehungen derselben einen Natur Gottes auf die Außenwelt und ihre Richtung zu Gott. Die ewige Belohnung sowohl als die ewige Bestrafung sind gleichsam nur der zweifache Spiegel einer und derselben göttlichen Gerechtigkeit, die sich gleich herrlich und anbetungswürdig in beiden reflektiert.

Ich folgere aus all dem Gesagten mit Recht:

Erstens: Insofern die Ewigkeit der Hölle ein Geheimnis des Glaubens und eine göttliche Tatsache ist, die sich auf das Forum der göttlichen Gerechtigkeit bezieht, steht der Vernunft an und für sich darüber kein Endurteil zu.

Zweitens: Die Vernunft an und für sich erkennt eine Anzahl der wichtigsten Gründe, welche auf die Wirklichkeit der Höllenstrafen, auch abgesehen von dem Wort der Offenbarung, mit großer Bestimmtheit hinweisen.

Drittens: Da nur die göttliche Offenbarung darüber vollkommenen Aufschluss geben kann, so hat sich die Vernunft den Aussprüchen derselben um so williger zu unterwerfen, da dieselben ja mit ihren Schlüssen und Erkenntnissen ohnedies im Einklang stehen. Wie bestimmt aber darüber das Wort der Offenbarung laute, das erhellt ganz besonders aus dem Ausspruch des göttlichen Richters. Es wird der Tag kommen, wo Christus sein Wort erfüllt und den Gerechten zuruft: Kommt her ihr Gebenedeiten meines Vaters – zu den Bösen aber: Weichet von mir, ihr Verfluchten. Und jene, sagt Jesus, werden eingehen in das ewige Leben, diese aber in die ewige Pein. (Matth. 25, 34-46)

Da wir bereits die göttliche Sendung Christi geprüft, so haben wir auch das Recht, mit dem hl. Augustin zu sagen: „Wer bei dem Donner dieser Drohung nicht erwacht, der schläft nicht nur, sondern er ist tot.“

Ich schulde, wenn ich diesen Artikel beschließe, der Aufrichtigkeit, mit der ich jede Frage in diesem Buch behandelt, nur noch diese Schlussbemerkung: Die eigentliche Ursache, warum sich Ungläubige so sehr gegen die Höller ereifern, ist eigentlich nicht die, dass sie einen Widerspruch gegen die Vernunft bei der Annahme dieser Lehre gewahrten, sondern nur die, weil sie fühlen, dass, wenn es eine Hölle gibt, sie nur gar zu vielen Grund haben zu befürchten, dass sie in dieselbe kommen. –
aus: Franz Xaver Weninger, Katholizismus, Protestantismus und Unglaube. Ein Aufruf an alle zur Rückkehr zu Christentum und Kirche, 1869, S. 206 – S. 215

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Bildquelle

  • Weninger_Franz_Xaver: wikimedia | Public Domain Mark 1.0
  • Carl_Ludwig_Beutler__attrib.__-_Die_Qualen_der_Ho_lle__ca.1669: Wikipedia
Category: Glaube
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