Die Apokalypse des hl. Johannes – Kap. 15, 1-8

Die Engel mit den sieben Plagen

Die Engel mit den sieben Plagen. Siegeslied der Auserwählten. Die Engel erhalten die sieben Zornschalen.

1. Und ich sah ein anderes Zeichen im Himmel, groß und wunderbar: sieben Engel, die hatten die sieben letzten Plagen; denn mit denselben ist vollendet der Zorn Gottes. (1)
2. Und ich sah wie ein gläsernes Meer, gemischt mit Feuer; und die über das Tier und sein Bild (2), und über die Zahl seines Namens gesiegt hatten (3), standen auf dem gläsernen Meere, und hatten Harfen Gottes. (4)
3. Sie sangen das Lied Mosis, des Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes (5), und sprachen: Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott, gerecht und wahrhaftig sind deine Wege (6), König der Ewigkeiten.
4. Wer sollte dich nicht fürchten, Herr, und deinen Namen preisen? Du allein bist ja heilig: alle Völker werden kommen, und vor dir anbeten; denn deine Gerichte sind offenbar geworden. (7)
5. Und darnach sah ich, und siehe, aufgetan ward der Tempel der Hütte des Zeugnisses im Himmel (8)
6. und es gingen hervor die sieben Engel aus dem Tempel (9), welche die sieben Plagen hatten, angetan mit reiner weißen Leinwand, und gegürtet um die Brust mit goldenen Gürteln. (10)
7. Und Eines der vier lebenden Wesen (11) gab den sieben Engeln sieben goldene Schalen (12), die voll waren vom Zorne Gottes, der da lebt in alle Ewigkeit.
8. Und der Tempel ward voll Rauch von der Herrlichkeit Gottes und von seiner Kraft: und Niemand konnte hinein gehen in den Tempel, bis die sieben Plagen der sieben Engel vollendet waren. (13)
Anmerkungen:

(1) Nachdem das Strafgericht über das heidnische Widerchristentum verkündigt (Kap. 14, 6-13) und der dasselbe vollziehende, siegende Richter im Anzug dazu vorgestellt ist (14, 14-20), treten die Engel auf, die es wirklich verhängen. Ihre Plagen heißen die letzten, so ferne denselben die über das widerchristliche Judentum (Kap. 8) voran gegangen sind, und es eigentlich nur zwei Feinde des Christentums gibt, das widerchristliche Judentum, der erste Feind, das widerchristliche Heidentum, der zweite und letzte Feind.
(2) Siehe Kap. 13, 14
(3) die sich durch nichts bewegen ließen, sich zum Heidentum, zur Anbetung der Götzen innerlich und äußerlich zu bekennen, und darum auch den Namen des Tieres verwarfen.
(4) Das gläserne, mit Feuer vermischte Meer war eine kristallhelle, feurig glänzende Ebene, auf der die auserwählten standen. Diese treten mit ihrem Lobgesang noch kurz vor Ausgießung des göttlichen Zornes auf, teils um sie als die Sieger vorzuführen, teils um durch ihr entgegen gesetztes Schicksal das traurige Los der Heidenwelt desto anschaulicher zu machen, teils um die göttlichen Gerichte auch hier wie oben (Kap. 6, 10ff) als Folge des Gebetes der Heiligen darzustellen.
(5) Sie sangen ein ähnliches Sieges- und Dankeslied für allmächtige Rettung aus drohenden Gefahren, wie einst Moses (2. Mos. 15, 1ff), ein Danklied Christi, ein Danklied für die Erlösung.
(6) Wahrhaft gerecht sind deine urteile über die Heiden!
(7) Alle Völker werden dich noch verehren; denn die Gerichte, die nun an den Heiden vollzogen werden, sind für sie Weckstimmen zur Buße und Bekehrung.
(8) Ähnlich wie Kapitel 11, 19 öffnet sich das Innerste des himmlischen Tempels, wo die Hütte des Zeugnisses, die Bundeslade, das Sinnbild der Gnaden-Gegenwart Gottes war. – Die Bundeslade heißt Hütte des Zeugnisses, weil sie ein Zeugnis der Gegenwart Gottes war.
(9) Siehe Kapitel 14, Note 23.
(10) Dies ist Priesterkleidung.
(11) Der Cherubim, der obersten, für das göttliche Reich auf Erden tätigen Geister.
(12) Opferschalen; denn das Strafgericht bringt Opfer.
(13) Der Rauch, der göttliche Lichtnebel, ist Sinnbild der sich offenbarenden Majestät Gottes. Die Offenbarung ist aber hier eine strafende, richterliche.

aus: Joseph Franz Allioli, Die Heilige Schrift des alten und neuen Testamentes. Aus der Vulgata, 6. Bd. 1838, S. 474-475