Die Sodomie als Strafe der Gottlosigkeit

Der Brief des heiligen Apostels Paulus an die Römer 1. Kapitel

Die Sodomie als Strafe für die Gottlosigkeit

In der darauf folgenden Abhandlung, daß Alle, Heiden und Juden strafwürdig sind, und der Gnade bedürfen, spricht er zuerst von der Gottlosigkeit der Heiden, die Gott, obwohl sie ihn erkannten, aber ihm die Ehre nicht geben wollten, in die gräulichsten Laster versinken ließ.

13. Ich will aber nicht, daß euch unbekannt bleibe, Brüder, dass ich mit oft vorgenommen, zu euch zu kommen, (bis jetzt war ich verhindert) um einige Frucht auch bei euch zu gewinnen, wie auch bei den übrigen Völkern.
14. Griechen und Nichtgriechen (1), Weisen und Unweisen (2), bin ich Schuldner. (3)
15. So bin ich, was an mir liegt (4), bereit, auch euch, die ihr zu Rom seid, das Evangelium zu verkünden.
16. Denn ich schäme mich des Evangeliums (5) nicht, indem es eine Kraft Gottes ist zum Heil für einen Jeden, der daran glaubt (6), für die Juden zuerst und (dann) für die Heiden. (7)
17. Denn Gerechtigkeit Gottes wird darin geoffenbart durch den Glauben für den Glauben (8), wie geschrieben steht: Der Gerechte aber lebt aus dem Glauben. (9)
18. Denn (10) es offenbart sich der Zorn Gottes vom Himmel über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit Gottes (11) durch Ungerechtigkeit aufhalten (12):
19. denn, was von Gott kennbar ist, das ist unter ihnen offenbar; denn Gott hat es ihnen geoffenbart (13):
20. denn das Unsichtbare an ihm (14) ist seit Erschaffung der Welt in den erschaffenen Dingen erkennbar und sichtbar, nämlich seine ewige Kraft und Gottheit (15), so dass sie keine Entschuldigung haben. (16)
21. Denn nachdem sie Gott erkannte hatten, haben sie ihn nicht als Gott verherrlicht (17), noch ihm gedankt, sondern wurden eitel in ihren Gedanken (18), und ihr unverständiges Herz ward verfinstert (19): Ephes. 4, 17.
22. sie gaben sich für Weise aus, sind aber zu Toren geworden.
23. Sie vertauschten die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes mit dem Gleichnis und Bild des vergänglichen Menschen, auch der Vögel und vierfüßigen und kriechenden Tier. (20)
24. Darum überließ sie Gott den Lüsten ihres Herzens, der Unreinigkeit, so dass sie ihre eigenen Leiber an sich selbst schändeten (21),
25. sie, welche die Wahrheit Gottes mit der Lüge (22) vertauschten, und mehr das Geschöpf verehrten und anbeteten, als den Schöpfer, welcher gepriesen sei in Ewigkeit. Amen.
26. Darum überließ sie Gott schändlichen Lüsten: denn ihre Weiber vertauschten den natürlichen Gebrauch mit dem, der wider die Natur ist. (23)
27. Und desgleichen verließen auch die Männer den natürlichen Gebrauch des Weibes, und entbrannten in ihren Begierden gegeneinander, indem sie, Männer mit Männern, Schändlichkeit trieben, und (so) den Lohn, der ihrer Verirrung gebührte, an sich selbst empfingen.
28. Und wie sie die Erkenntnis Gottes verwarfen, überließ sie Gott dem verwerflichen Sinn, zu tun, was sich nicht geziemt (24):
29. sie wurden voll jeglicher Ungerechtigkeit, Bosheit, Hurerei, Habsucht, Schalkheit, voll Neid, Mord, Zank, Arglist, Bösartigkeit (25), Ohrenbläser,
30. Verleumder, bei Gott verhaßt (26), schmähsüchtig (27), hoffärtig, prahlerisch, erfindsam im Bösen, ungehorsam gegen die Eltern,
31. vernunftlos, unbändig (28), lieblos, treulos, unbarmherzig (29):
32. welche, nachdem sie die Gerechtigkeit Gottes erkannt hatten (30), nicht einsahen, dass die, welche solches tun, des Todes würdig sind (31): und nicht allein, die solches tun, sondern auch, die denen Beifall geben, welche es tun. (32)

Anmerkungen:

(1) gebildeten und ungebildeten Völkern.
(2) Gelehrten und Ungelehrten.
(3) Ich bin verpflichtet, Allen das Evangelium zu predigen.
(4) So viel ich vermag.
(5) Das Griech. setzt bei: Christi.
(6) d. i. indem das, was in dem Evangelium gepredigt wird, Christi Tod, Verdienste, Heilmittel, Gebote, Verheißungen, göttliche Kraft hat, und allen Menschen, die wahrhaft glauben, zum Heil, zur Reinigung, Heiligung und Beseligung verhelfen kann. – Der Glaube, der hier gefordert wird, ist kein bloßes Fürwahrhalten, sondern ein solches lebendiges Vertrauen auf die Wirksamkeit der in dem Evangelium angebotenen Gnade, welches nicht bloß unsern verstand zur Anerkennung der geoffenbarten Wahrheiten bewegt, sondern auch unsern Willen zur Ausübung der göttlichen Gebote bereit macht. In dem wahren Glauben sind daher notwendig Vertrauen (Hoffnung) und Liebe eingeschlossen.
(7) Das Evangelium ist zwar für Alle ohne Unterschied; aber weil die Juden das auserwählte Volk sind, dem sich Gott vor den übrigen Völkern geoffenbart hat, soll auch ihnen zuerst das Evangelium gepredigt werden. – Der Apostel spricht in diesem und dem folgenden Vers des Thema seiner Abhandlung aus, daß Alle durch das Evangelium (durch Alles, was es gibt, lehrt und verheißt) Rechtfertigung von Gott erlangen, wenn sie wahrhaft glauben.
(8) Denn es wird darin (in dem Evangelium) die göttliche Rechtfertigung gegeben mittels des Glaubens für die Gläubigen (Aug.). Der Ausdruck „durch den Glauben für den Glauben“ bedeutet nach der ähnlichen Stelle K. 3, 22: mittels des Glaubens für die Gläubigen. Andere verstehen: durch den Glauben zu weiterem Wachstum des Glaubens. Wie übrigens oben unter dem Glauben kein bloßes Fürwahrhalten des Evangeliums verstanden werden darf, sondern die unbedingte vertrauensvolle Hingabe des ganzen Menschen mit Verstand und Willen an das, was das Evangelium darbietet; so ist auch hier die Rechtfertigung, welche auf diesen Glauben folgt, keine bloße Gerechterklärung von Gott, sondern Entsündigung, Heiligung und Beseligung, eine Zurchtrichtung, göttliche Umschaffung; denn der Glaube ergreift die ganze im Christentum dargebotene Gnade, und schließt darum auch die Taufe ein, welche den sündhaften verdorbenen Menschen zurecht richtet und neu schafft.
(9) Siehe Habak. 2, 4. Der Apostel beginnt nun (Vers 18) seine Unterweisung und zwar den ersten Abschnitt derselben damit, dass er die Ungerechtigkeit und Strafbarkeit Aller, der Heiden und Juden zeigt (Kap. 1, 18-3, 20). Er beginnt bei den Heiden (1, 18-32), um dann desto nachdrücklicher auch die Juden angreifen zu können, ohne sie sogleich aufzureizen.
(10) Dieses „denn“ gibt die Ursache an, warum die Rechtfertigung Aller durch Gott geschehen soll.
(11) „Gottes“ ist nicht im Griech.
(12) Mit Recht spreche ich (Vers 17) von Rechtfertigung Aller; denn Alle sind ungerecht, der Rechtfertigung bedürftig, vorerst die Heiden, auf welchen die Strafe Gottes unverkennbar ruht. – Von ihnen heißt es, dass sie die Wahrheit Gottes durch Ungerechtigkeit aufhalten, weil sie die bessere Erkenntnis von Gott in sich und Andern nicht zur Entwicklung kommen lassen, sie gleichsam im Kerker eingeschlossen halten (Anselmus). Der Apostel scheint hier von der Ungerechtigkeit der Menschen im Allgemeinen zu sprechen; aber dass vorzüglich die Heiden gemeint sind, erhellt deutlich aus dem Folgenden.
(13) Denn die Kenntnis Gottes und seiner göttlichen Eigenschaften liegt unter ihnen offen da vermöge der Offenbarung Gottes in der Natur, in der Schöpfung, Erhaltung und Regierung der Welt, wie gleich folgt.
(14) Gottes unanschaubares Wesen.
(15) Seine ewige göttliche Allmacht, die bei allem Wechsel der Dinge besteht.
(16) Wenn sie Unwissenheit vorgeben, oder die bessere Erkenntnis, die unter ihnen offenbar ist und darum auch in ihnen sein muss, in sich und Andern unterdrücken (Vers 28).
(17) durch ein tugendhaftes Leben, nachdem er ihnen seine Gottheit in den erschaffenen Dingen geoffenbart hatte.
(18) Verfielen auf eitle Gedanken, auf Götzendienst. Siehe 4. Kön. 17, 15; Jer. 2, 5. Hier beginnt die Beschreibung des göttlichen Zornes (Vers 18) oder der Verlassenheit von Gott, als Strafe gegen diejenigen, welche ihn nicht erkennen und verehren wollten (Vers 24).
(19) Aus dem Gott vergessenen Leben kam die Erblindung des Verstandes. Der Apostel leitet den Verfall in Abgötterei nicht von Unwissenheit, sondern von dem verkehrten Willen und dem daraus entspringenden lasterhaften Leben ab. Sieh da, wie ein von Leidenschaften betörtes Herz auch den Verstand umnebelt! Woher kommt der Unglaube anders, als von einem verderbten Herzen?
(20) Die Heiden stellten ihre Götter nicht nur in Menschengestalt dar, sondern verehrten auch fast alle Arten der Tiere als göttliche Wesen. Sieh über die Torheit des Götzendienstes Jes. 44, 12, Jer. 10, 3-5; Dan. 5, 23; Weish. 13, 11-19: 15, 7 ff; Baruch 6. Auch der Christ treibt oft Götzendienst, wenn dieser auch feinerer Art ist; denn Alles, was der Mensch mehr als Gott oder gegen Gottes Willen liebt, ist ein Götze.
(21) Da sie sich gegen ihr besseres Wissen solchen Verirrungen hingaben, ließ Gott zu, dass sie in die unnatürlichen Sünden der Wollust fielen, Selbstbefleckung und Knabenschändung trieben. Gott straft Sünde mit Sünde, oder läßt zu, dass auf Sünde noch größere Sünde folge.
(22) Den wahren Gott mit falschen, nichtigen Göttern (Jes. 28, 15; Jer. 13, 25).
(23) trieben widernatürliche Unzucht. Siehe Vers 27.
(24) Im Griech.: Wie sie`s nicht der Mühe wert hielten, die Erkenntnis von Gott zu behalten. – Sinn: Wie die Menschen Gott verlassen und ihr Herz von ihm abgewendet hatten, so verließ nun Gott auch sie (Apostelg. 14, 15), und so geschah es, daß die Verehrung der falschen Götter die Heiden in noch größere Lasterhaftigkeit stürzte, als schon vor dem Götzendienst herrschte.
(25) Im Griech.: Schlechtigkeit.
(26) Im Griech.: Gottesverächter.
(27) Im Griech.: übermütig.
(28) Im Griech.: treulos.
(29) Ein treues Bild des heidnischen Sittenverfalles! Erkenne daraus zugleich, was der Mensch wird, wenn man ihn dem eigenen Verderben überläßt.
(30) Gott und das Gesetz; Gott durch Nachdenken über die erschaffenen Dinge (Vers 19, 20), das Gesetz in ihrem Gewissen.
(31) Des Todes an Leib und Seele oder der größten Strafen.
(32) Im Griech.: welche, nachdem sie die Gerechtigkeit Gottes erkannt hatten, und einsahen, dass die des Todes würdig sind, welche solches tun, dennoch nicht nur solches tun, sondern auch denen Beifall etc. Die Lesart unserer Vulgata hat mehrere sehr alte griechische Handschriften für sich.

aus: Joseph Franz Allioli, Die Heilige Schrift des alten und neuen Testamentes. Aus der Vulgata, 6. Bd. 1838, S. 14-17