Die Apokalypse des hl. Johannes – Kap. 20, 1-10

Satan wird frei gelassen und letzte Verfolgung

1-3. Die Kapitel IX-XIX bilden einen wichtigen Teil der Apokalypse, enthalten sie so doch eine erweiterte Geschichte des Antichristen und seiner Kriegsführung gegen die Kirche. Als Vorbereitung auf sein Kommen öffnet der vom Himmel gefallene Stern den Abgrund, aus dem ein großer Schwarm von Heuschrecken heraus kommt. (1) Dann folgt ein prophetischer Bericht über seine Herrschaft, den Sturz seines Reiches und seine endgültige Verdammung in die Hölle. Ein Engel vom Himmel bindet nun den Drachen und wirft ihn in den Abgrund, der geschlossen und versiegelt wird, damit der Satan die Völker nicht mehr wie in der Vergangenheit verführen kann. So werden alle Hindernisse beseitigt und die Kirche beginnt ihre friedvolle Herrschaft auf der Erde. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass nicht alle bösen Geister im Abgrund eingeschlossen sind; es wird immer noch Sünde und Übel auf Erden geben. Der Einzelne muss immer noch gegen Versuchung und Verführung kämpfen. Tatsächlich kann es keinen wirklichen Fortschritt in der Tugend ohne Versuchung geben.

4. St. Johannes sieht nun die Seelen derjenigen, die mit Christus an der Leitung Seiner Kirche teilnehmen. Sie sind die Heiligen, die weder das Tier noch sein Abbild anbeteten, noch dessen Malzeichen auf der Stirn bekamen (bzw. annahmen), und vor allem die Märtyrer, die ihr Leben “für das Zeugnis Jesu und für das Wort Gottes” gegeben haben. “Gericht wurde ihnen gegeben”, denn wie der hl. Paulus sagt: “Die Heiligen werden über diese Welt Richter sein.” (2) Die Heiligen und Märtyrer sind Vorbilder und Patrone für die Gläubigen, die sie durch das Beispiel ihres irdischen Lebens und durch ihre Fürsprache im Himmel belehren und leiten. So leben und regieren sie mit Christus.

5. Die Bösen – der Rest der Toten – leben nicht das Leben der Seele, weil sie zu den ewigen Qualen der Hölle verurteilt wurden, welches der zweite Tod ist, weil er dem Tod des Leibes folgt.

6. Die Herrschaft der Heiligen und Märtyrer mit Christus im Himmel wird als erste Auferstehung bezeichnet. Die Auferstehung des Leibes beim letzten Urteil ist die zweite. Selig sind die, die an der ersten Auferstehung teilhaben, weil der zweite Tod keine Macht über sie hat.

7, 8. Am Ende der Periode, symbolisiert durch tausend Jahre, wird Satan für eine kurze Zeit wieder freigelassen, während dieser er viele Völker verführen wird. Von den vier Vierteln der Erde wird er eine Armee zusammenstellen, die so zahlreich wie der Sand des Meeres ist, um erneut gegen die Kirche – das Lager der Heiligen, Krieg zu führen. Das geliebte Jerusalem, dann die Stadt der Päpste, wird der Hauptangriffspunkt sein; aber Gott wird in seine Verteidigung eingreifen, indem er Feuer auf die belagernden Heerscharen nieder regnen läßt. Diese feindlichen Nationen werden als Gog und Magog symbolisiert (3), – Namen, die durch die Prophezeiung von Ezechiel berühmt wurden, in der ihre Invasion und schreckliche Zerstörung durch Feuer ausführlich beschrieben werden. „Du wirst kommen von deinem Ort im fernen Norden, du und viele Völker mit dir, Alle Reiter auf Rossen, eine große Schar, ein gar mächtiges Heer. Und du wirst herauf ziehen wider mein Volk Israel, um wie eine Wolke das Land zu bedecken… Und ich will ihn richten mit Pest und Blut, mit heftigem Platzregen, mit ungeheuren Hagelsteinen: Feuer und Schwefel will ich auf ihn regnen lassen, auf sein Heer und auf die vielen Völker, die mit ihm sind… Und ich will Feuer über Magog senden, und über die, welche sicher auf den Inseln wohnen: und sie sollen erfahren, daß ich der Herr bin… Siehe, es kommt, es geschieht, spricht Gott der Herr: das ist der Tag, von dem ich gesprochen habe… Und an dem Tage wird’s geschehen, daß ich Gog einen berühmten Ort gebe, ein Grab in Israel, das Wanderer-Tal östlich vom Meer, das in Erstaunen setzen wird, die vorüber gehen: daselbst wird man Gog begraben, und sein ganzes Heer, und das Tal wird man nennen Gogs-Haufen-Tal. Und das Haus Israel wird sie begraben, damit das Land davon rein werde, sieben Monate lang, das ganze Volk im Lande wird mit ihrem Begraben zu tun haben: und der Tag, an dem ich mich verherrliche, wird für sie ruhmvoll werden, spricht Gott, der Herr.“ (4)

10. Satan ist jetzt in die Hölle geworfen, um für alle Ewigkeit mit dem Tier und dem falschen Propheten gequält zu werden.

Anmerkungen:

(1) siehe Kap. 9, 2. 3.
(2) 1. Kor. 6, 2.
(3) In Ezechiel scheint Magog ein Volk zu sein und Gog ihr Herrscher.
(4) Ezechiel Kap. 38, 39.

aus: Rev. E. Sylvester Berry, Die Apokalypse des heiligen Johannes [Columbus, OH: John W. Winterich, 1921], S. 196-201; mit Imprimatur; eigene Übersetzung)