Heidnische Religionen

Alle Götter der Heiden sind böse Geister

Wie der Götzendienst aus der Sünde stammte, so erzeugte er selbst wieder neue Sünden und eine immer mehr sich steigernde gräuliche Lasterhaftigkeit. „Weil die Heiden die Erkenntnis Gottes verwarfen, überließ sie Gott dem verwerflichen Sinne, zu tun, was sich nicht geziemt: sie wurden voll jeglicher Ungerechtigkeit, Bosheit, Unzucht, Habsucht, voll Neid, Mord, Zank, Arglist Ohrenbläser, Verleumder, schmähsüchtig, hoffärtig, prahlerisch, erfindsam im Bösen, ungehorsam gegen die Eltern, vernunftlos, lieblos, treulos, unbarmherzig.“ (Röm. 1, 28ff). Überdies ergaben sie sich so unnatürlichen, abscheulichen Arten der Unzucht, daß ein Christ sich scheuen muss, sie auch nur zu nennen.(Röm. 1, 24ff; vgl. Eph. 5, 3 12) Nicht genug, daß die Abgötterei dem Laster keine Schranken entgegen setzte: sie treib sogar dazu an. Mit einzelnen Menschen waren auch die menschlichen Leidenschaften und Laster, mit den Naturkräften auch deren Missbrauch durch die Menschen vergöttert…

Wohl konnte daher der hl. Paulus sagen, dass der ganze heidnische Götzendienst nicht ein Gottesdienst, sondern ein Teufelsdienst sei: „Was die Heiden opfern, das opfern sie den Teufeln und nicht Gott.“ Denn hatten auch sehr viele Heiden nicht im Sinne, den bösen Geistern zu opfern, so dienten sie doch den Götzen der Welt und allen Lüsten und allen Lastern der Welt und damit letztlich und recht eigentlich dem Fürsten der Welt, dem Satan und seinen Engeln. Noch mehr, diese standen sogar unmittelbar hinter den Götzen, indem sie nicht bloß dem ganzen Götzendienst ihren Geist einhauchten, sondern auch zuweilen hörbar aus den Götzen redeten, durch diese oder ihre Priester anscheinend wunderbare Aussprüche taten und dgl.; denn aus menschlichem Betrug allein lassen sich die betreffenden Erscheinungen schlechterdings nicht alle erklären. Die heiligen Väter sind darüber einstimmig, und die Heilige Schrift, wenigstens nach der kirchlichen Übersetzung, sagt ausdrücklich: „Alle Götter der Heiden sind böse Geister.“

Die Finsternis und Verkommenheit aber, in welche die Menschen im Heidentum gerieten, nachdem sie sich von Gott abgewendet, mahnt uns, vor allem die Wahrheit und die Gnade des Evangeliums hoch zu schätzen und Gott zu danken, „der aus Finsternis uns in sein wunderbares Licht berufen“ (1. Petr. 2, 9), aber auch die Werke des Lichtes hervor zu bringen und so dieser unaussprechlichen Gnade uns immer würdig zu erhalten. (Röm. 13, 12; Eph. 5, 8f; Joh. 12, 35; Mt. 21, 43)

Hüten wir uns endlich sorgfältig, uns je von Gott abzuwenden, der allein die Quelle des Lichtes und der Liebe und Seligkeit ist, und uns selbst, unserem Stolz und unseren Leidenschaften, oder dem Geist der Welt uns zu vertrauen. Folgen wir vielmehr unserem Erlöser, der Sonne der Gerechtigkeit, so werden wir nie in der Finsternis wandeln, sondern allzeit das Licht des Lebenshaben. (Mal. 4, 2; Joh. 1, 8; vgl. Joh. 8, 12) Beten wir endlich öfters für die auch heute noch in der Finsternis und den abscheulichen Gräueln des Heidentums schmachtenden Völker und tragen wir … dazu bei, dass ihnen das beseligende Licht des Evangeliums leuchte. –
aus: Schuster/Holzammer, Handbuch der Biblischen Geschichte Erster Band: Das Alte Testament, 1910, Bd. 1, S. 263 – S. 265