Die Botschaft von Fatima für die heutige Zeit

Es gibt nur noch eine Hilfe und Rettung in der Bedrängnis

Weil aber Gottes Barmherzigkeit und Güte nicht weniger unendlich ist als seine Heiligkeit, Gerechtigkeit und Macht, so kommt er immer wieder in unverdienter Weise den Menschen in ihrer Not entgegen, gibt er immer wieder neue, den Nöten der jeweiligen Zeit entsprechende Gnaden, zeigt er immer wieder eine Hilfe in jeder Bedrängnis. In einer Zeit, in der die Menschen so weit gekommen sind, daß sie rat- und hilflos geworden sind, weil sie selbst den begriff der Sünde und den Sinn für ihre wahre Lage und für ihr eigentliches Ziel und Ende verloren zu haben scheinen, in dieser Zeit läßt Gott wissen: Es gibt noch eine Hilfe und Rettung, nur eine: nämlich durch das makellose, Unbefleckte Herz, in dem allein unter allen Geschöpfen nichts war, was dem Schöpfer mißfallen hätte; jenes Herz also, in dem der Urplan des himmlischen Vaters, der vollkommene Bilder und Kinder seines Geistes in denMenschenherzen sehen wollte, voll verwirklicht wurde; jenes Herz, in dem die voraus wirkenden Verdienste des Erlösers ihre größte Verherrlichung fanden und in dem das Wirken des göttlichen Geistes der Liebe niemals auch nur dem geringsten Widerstand begegnete.

Gott zeigt einer verirrten und verwirrten, ziellosen Menschheit wieder ihr Urbild und Ideal: das makellose, sündenlose, Unbefleckte Herz, dem die Menschen ihr eigenes Denken, Wollen und Streben angleichen sollen, wenn sie wieder den klaren Weg zu ihrem Heil finden wollen.

Er weist eine auf sich selbst und ihre eigene Schwachheit und Ohnmacht gestellte Menschheit hin auf das mütterlichste Herz, das rein, liebend und stark genug war, um das Leben, Leiden und Erlösen des Mensch gewordenen Gottes selbst mit zu leben und mit zu tragen in einer vollkommenen Einheit der Liebe und das darum auch fähig und berufen ist, allen Menschen Mutter zu sein, die Not aller Menschen zu ihrer eigenen zu machen und zur Abhilfe alles einzusetzen, was ihr Sohn und Gott ihr zur Verfügung stellt. Welcher gute Sohn würde aber nicht seiner geliebten Mutter sagen: Alles, was mein ist, das sei auch dein! So hat auch Christus gegenüber seiner heiligen Mutter Maria gehandelt.

Gott weist die Menschheit, die in Angst und Furcht lebt, auf das mächtigste Herz hin, nämlich auf das Herz derer, die – wie Pius XII. sagt – „Königin eines Reiches ist, das sich so weit erstreckt wie das ihres Sohnes und von dessen Herrschaftsbereich nichts ausgenommen ist“, Königin aber, die „ein wesenhaft mütterliches, nur auf das Wohltun bedachtes Königtum ausübt“. Gott weist uns hin auf das Herz, das Wunschgewalt hat über über das allmächtige und allgütige Herz ihres Sohnes, das als vollkommenstes Geschöpf und liebendste Braut des Hl. Geistes alles vermag über das Herz Gottes selbst.

Gott zeigt aber der Menschheit, die wahrlich „nicht weiß, was sie tut“, auch das Dornen umgebene, leidende herz, das alle Beleidigungen Gottes wie ein großes Leiden mit empfindet, das für ihre eigene Muttersorge, Liebe und Hilfe so viel Schmähung, Lästerung und Undank erfährt, und das doch nur auf Mittel und Wege sinnt, wie die Beleidiger und die Sünder zur Besinnung gebracht und bekehrt werden könnten; wie das Unrecht einigermaßen gutgemacht und das entsetzliche, wenn auch nur zu sehr verdiente Unheil und Strafgericht von der Menschheit abgewendet werden könne.

aus: Ferdinand Baumann SJ, Fatima und die Rettung der Welt, 1951, S. 125-128