Apostasie des jüdischen Hohenpriesters

Altes Testament

Die Apostasie des jüdischen Hohenpriesters Jason

Diese festliche Gelegenheit wollte Jason zu einer öffentlichen Bekundung seiner hellenistischen Gesinnung benutzen. […] In dieser Teilnahme am heidnischen Opferkult offenbart sich die gottlose Haltung des Hohenpriesters. Ihm sind schon nach echt hellenistischer Denkweise alle Religionen gleichwertig, so sehr hatte er die Sonderstellung seines Glaubens aufgegeben. Praktisch war dadurch der Hohepriester zum Apostaten geworden.

Aus diesem Beispiel ersieht man, wie sehr die religiöse Gleichgültigkeit den hellenistischen Hohenpriester und mit ihm viele seiner Anhänger erfaßt hatte. Der Boden war für den völligen Glaubensabfall schon bereitet, da sie auch andere Götter durch Opfer verehrten“ (2 Makk., Kap. 4, 23 – 29). (S. 175)

„Am syrischen Hofe begann Menelaus [der Nachfolger Jasons] ein widerwärtiges Spiel um das Hohepriestertum. Er verstand es, sich beim König einzuschmeicheln und zu empfehlen. […] Für den Juden war es gesetzlich unerträglich, daß nicht einmal ein Angehöriger einer Priesterfamilie, sondern ein Glied des Stammes Benjamin das höchste priesterliche Amt bekleiden sollte. Es war aber nur die letzte Konsequenz jenes Hellenismus, den Jason so sehr gefördert hatte. Denn es sollte keinen Unterschied zwischen Heiden und Juden, zwischen Laien und Priestern mehr geben. Die Laisierung des höchsten religiösen Amtes war nur eine Folgerung der neuen Lehre. […] Trotz des königlichen Schreibens [„Absetzungsdekret für Jason und seine eigene Ernennungsurkunde“] galt er den Juden nicht als rechtmäßiger Priester“ (S. 176).

„Zuletzt ereilte ihn ein unglückliches Ende. Vom Araberfürsten Aretas wurde er gefangen genommen und floh dann von Stadt zu Stadt. Von allen verfolgt, gehaßt als Gesetzes-Abtrünniger und verwünscht als Henker des Vaterlandes und der Mitbürger, wurde er nach Ägypten vertrieben. Der so viele aus dem Vaterlande in die Fremde gejagt hatte, starb nun selbst in der Fremde.“ (2 Makk. 5, 8-10)

aus: Herders Bibelkommentar, Die Heilige Schrift für das Leben erklärt, Bd. V, 1939